Sehenswert

„In der Glut des Südens“ von Terrence Malick. Ein viktorianisches Farmhaus am Horizont und italienische Zirkusartisten, die in Doppeldeckern vom Himmel steigen; dampfgetriebene Traktoren bei dir Ernte und brennende Weizenfelder. Bilder von mitunterateenberaubender Schönheit: Nestor Almendros, Kameramann bei François Truffaut und Eric Rohmer und Haskell Wexler (Hai Ashbys „Bound for Glory“) erhielten 1979 dafür den Oscar. Auf den Filmfestspielen von Cannes wurde „Days of Heaven“ soeben mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Es ist ein Melodram über die „himmlischen Tage“ im Paradiesgarten des amerikanischen Südens, wo (Anno 1916) Entwurzelte eine neue Heimat zu finden hoffen, und über die zerstörerische Gewalt unterdrückter Gefühle. Ein Arbeiter (Richard Gere), seine Geliebte (Brooke Adams) und seine kleine Schwester (Linda Manz) flüchten aus Chicago, um sich auf den weitläufigen texanischen Weizenfeldern als Saisonarbeiter zu verdingen. Das Liebespaar gibt sich als Geschwisterpaar aus. Ein junger, reicher, unheilbar kranker Farmer verliebt sich in das Mädchen, heiratet sie. In Stil und Struktur erinnert Malicks zweiter Spielfilm an sein eindrucksvolles Erstlingswerk „Badlands“ (1973): derselbe kalkulierte Kontrast von Historie, Melodram und symbolischer Überhöhung; dieselbe Methode der indirekten Erzählung (kommentiert wird die Geschichte aus der Perspektive der kleinen Schwester). Malicks destruktiver distanzierender Inszenierungsstil mag den Eindruck ästhetischer Sterilität erwecken: Charaktere werden zu Chiffren reduziert, vehemente Leidenschaften scheinen zu visuellen Vignetten zu erfrieren. Doch Melodramen müssen nicht immer glühen. „Days of Heaven“ ist ein eisgekühltes Melo. Ein Melo-Poem. Helmut W. Banz

Beachtlich

„Hardcore – Ein Vater sieht rot“ von Paul Schrader, nach dem hinreißenden „Blue Collar“ die zweite Regie-Arbeit des ehemaligen Drehbuchautors von Martin Scorsese („Taxi Driver“) und Brian De Palma („Schwarzer Engel“). Auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter reist ein strenggläubiger calvinistischer Familienvater aus Michigan nach Kalifornien, wo er rasch in die harte Porno-Szene („Hardcore“) gerät. Aus dem Zusammenprall zweier grundverschiedener Welten destilliert Schrader viele brillante Sequenzen. Dennoch bleibt der Film letztlich enttäuschend: Die Verstellungskünste des schlichten Puritaners, der sich in Los Angeles als Porno-Produzent ausgibt, wirken reichlich unglaubwürdig. Und George C. Scott in der Hauptrolle ist ein Fall von übertriebenem „type casting“: Zu oft schon spielte er den cholerischen Bürger, als daß er in dieser Rolle noch überraschen könnte. Die Präsenz des Stars engt die Entwicklungsmöglichkeiten der Geschichte allzu drastisch ein.

Hans C. Blumenberg

Langweilig

„Hurricane“ von Jan Troell ist das Remake eines Films von John Ford (1937), das Dinode Laurentiis mit enormem Budget (21 Millionen Dollar) produzierte. In dieser Südsee-Romanze, die um 1920 auf der polynesischen Insel Pago-Pago spielt, verliebt sich die Tochter (Mia Farrow) des amerikanischen Gouverneurs (Jason Robards) in einen jungen Häuptling (Dayton Ka’ne). Was dieser Verbindung im Wege steht, wird in den Wasserkaskaden eines gewaltigen Hurrikans ersäuft. Falls Regisseur Jan Troell („Die Emigranten“) eine anti-imperialistische Botschaft im Sinne hatte, ertrinkt sie ebenfalls in Klischees. Die Weißen sind hager, hochmütig und machtbesessen; die Eingeborenen sind plump, kindlich-naiv und verstören. mit ihren erotischen Ritualen die frigiden Amerikaner. Ingmar Bergmans Kameramann Sven Nykvist photographierte die idyllischen Sonnenuntergänge und die ausgedehnten Strandspaziergänge. Bis auf die wilden Wogen am Schluß könnte es sich dabei um einen Werbefilm für den Club Méditerranée handeln. Helmut W. Banz