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Ich brauche keine Frauenbewegungen, um zu sehen, wen ich liebe. Ich wäre sehr ungern Mann, wenn ich mir sagen lassen müßte, es sei eine Strafe mit mir zu schlafen und daß ein Schwanz „penetriert“, wie ein Skalpell.

Peggy Parnass, Gerichtsreporterin und Schriftstellerin

Alle Zitate aus dem Sonderheft „Sexualität konkret“ der Monatszeitschrift für Politik und Kultur, Hamburg, 106 Seiten, 8 Mark.

Kurt Jooss

Auch wer seinen Namen nicht kennt, sich aber für Kunst (und Politik) in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts interessiert, hat von ihm gehört: „Der Grüne Tisch“, sein Anti-Kriegs-Ballett, ein kritisches Totentanz-Spiel aus dem Jahr 1932, hat den am Fuß der Schwäbischen Alb, in Wasseralfingen, geborenen Tänzer/Choreographen in der ganzen Welt bekanntgemacht. Die Begegnung mit Rudolf von Laban, einem der Meister des „freien“, nicht akademisch-klassischen Tanzes, war für den zum Schauspiel drängenden Studenten der Stuttgarter Musikhochschule entscheidend. 1924 gründete er in Münster seine „Neue Tanzbühne“, drei Jahre später an der Essener Folkwangschule eine Tanzabteilung, aus der das international berühmte „Folkwang Tanztheater“ hervorging. Wenn im Ausland noch heute von „German Dance“ gesprochen wird, ist dies auch das Verdienst dieses gegen den Formel-Zwang des „Tütü“-Balletts rebellierenden Choreographen des „Ausdruckstanzes“. Was er erträumte, führte Martha Graham in Amerika aus, in Deutschland heute die Tänzerin und Choreographin Pina Bausch, deren Versuche, die Grenzen des Tanztheaters nach allen Seiten hin zu erweitern, der bis ins hohe Alter selber als Choreograph tätige Jooss mit Sympathie beobachtete. Der von den Nazis zur Emigration (nach England) gezwungene Choreograph war einer der ersten Künstler, die nach dem Krieg in die alte Heimat zurückkehrten. Seinem „Grünen Tisch“ applaudierte jetzt die durch den Zweiten Weltkrieg ernüchterte jüngere Generation, ehe das „Folkwang Tanztheater“, angesichts der Restauration des klassischen Balletts, aus finanziellen Gründen aufgelöst werden mußte. Am 22. Mai ist Kurt Joos nach einem Verkehrsunfall in einem Heilbronner Krankenhaus gestorben, 78 Jahre alt.

Günther Borchers

Er war einer der profiliertesten Landeskonservatoren Deutschlands, ein brillanter Vorkämpfer für ein neues Verständnis von Denkmalpflege. Er war einer der ersten, die die klassische Bau- und Kunstdenkmalpflege erweitert und die vielfältigen Zeugnisse der Sozial-, Technik- und Wirtschaftsgeschichte in seine Bemühungen einbezogen haben. In der einzigartigen, von ihm herausgegebenen langen Reihe der „Arbeitshefte“ sammelte und veröffentlichte er wichtiges dokumentarisches und informierendes Material über Bürgerhäuser, Arbeitersiedlungen, Kaufhäuser, Wohnbauten, Bahnhöfe, alte Innenstädte und, nicht zuletzt, Industriedenkmäler, dem lange übersehenen Kennzeichen seines Arbeitsbereichs, des Rheinlands und weiter Teile des Ruhrgebietes. Günther Borchers war ein innovativer, mutiger Mann; wer Umgang mit ihm hatte, genoß seine Freundlichkeit und seine Fairneß, ebenso wie sein Fachwissen. Aber es war noch etwas, das dem in der vergangenen Woche gestorbenen Günther Borchers die Erinnerung sichert: Er hatte früher als seinesgleichen für die Verbindung von Denkmalpflege mit erneuernder Architektur und Stadtplanung plädiert.