Ein anderes Modell benötigt zur Beschreibung der Plattentektonik nur die Schwerkraft. Die Anhänger des "Gravity sliding" gehen davon aus, daß allein das Gewicht der in die Subduktionszonen tauchenden Ozeane in der Lage ist, den Meeresboden in der Mitte bersten zu lassen. Möglich ist das, weil die Tauchzonen nur an Grenzen kontinentaler mit ozeanischen Platten auftreten. Ozeanplatten sind dichter, damit schwerer, als die Kontinente, also sinken sie in den flüssigen Mantel ein. Dagegen spricht, daß es am Atlantik keine Abtauchzonen gibt. Außerdem könnte man die anderen Begegnungsformen nicht erklären.

Da es zu viele Argumente gegen diese zwei Modelle gibt, schauten sich die Geowissenschaftler auf ihrem Globus um und nahmen sich ein Beispiel an den Meteorologen und den Ozeanographen. Innerhalb des zähen Erdmantels – Asthenosphäre genannt – sollte Physik aus Mutters Kochtopf wirken. Ähnlich wie in großen Kumuluswolken wird im Mantel Energie nach oben transportiert. Es findet Konvektion statt, indem die unteren Schichten der Asthenosphäre aufgeheizt werden. Ebenso wie warme Luft nach oben steigt, kann zunächst ein Teil, später ein ganzer Strom warmen Magmas nach oben in Richtung Kruste fließen. An der Lithosphärengrenze angekommen, kühlt sich das Magma ab, bewegt sich dabei horizontal entlang der Lithosphäre bis es soweit abgekühlt ist, daß es wieder nach unten sinkt, um erneut aufgeheizt zu werden.

Bei der Bewegung entlang der Obergrenze zieht der Magmastrom die Krustenscholle mit. Einen geschlossenen Kreislauf nennt man Konvektionszelle. Viele Konvektionszellen, im Durchmesser mehrere hundert Kilometer groß, sind die Ursache für die Bewegungen des guten Dutzend Platten, die man heute erkannt hat.

Aber auch bei dieser Theorie haben die Geowissenschaftler wieder die Schwierigkeit, daß ihnen der Erdmantel nicht direkt zur Beobachtung zur Verfügung steht. Was macht ein Wissenschaftler heute in solch einem Fall: Er stellt einen mathematischen Formelplan auf, füttert einen Computer damit und läßt sich das Ergebnis ausdrucken. Auf einer Konferenz im britischen Newcastle wurden kürzlich über zwanzig solcher Konvektionsmodelle vorgestellt.

Die Theoretiker müssen bei den Modellen verschiedene Annahmen machen. Die wesentliche Frage dabei ist, wo die Wärme für den Antrieb der Magmaströme herkommt. Der Mantel kann von unten durch den Kern geheizt werden, oder er heizt sich selbst durch radioaktive Zerfallswärme auf. Bei einigen Konvektionsmodellen reichte aber schon die Kühlung an der Obergrenze allein, einen Fluß zu ermöglichen.

Wichtig, um die verschiedenen Modelle überhaupt unterscheiden zu können, sind die Eigenschaften der Asthenosphäre. Daß Wasser besser als Honig fließt, liegt an der unterschiedlichen Zähigkeit der beiden Stoffe. Die Asthenosphäre ist ein paar Milliarden mal zäher als Honig, aber eben nicht ganz starr. Das reicht aus, um einen sehr langsamen Konvektionsstrom zu ermöglichen. Drei Forscher mußten in früheren Zeiten ihren Namen für Zahlen opfern, die weitere Eigenschaften von Flüssigkeiten beschreiben: Prandtl, Rayleigh und Nusselt. Variiert man die drei Zahlen in den mathematischen Formeln, spuckt der Computer andere Ergebnisse aus.

In vielen Laboratorien der Welt werden, die theoretischen Berechnungen durch Experimente überprüft. Natürlich kann man keine Konvektionszelle aus, dem Erdinnern direkt nachbilden, also beschränken sich die Experimentatoren meist auf Konservendosen, große Behälter, in denen Flüssigkeiten aufgeheizt werden und durch eine trickreiche Anordnung das Stromlinienbild sichtbar gemacht wird. Verändert man beim Experiment Prandtl-, Rayleigh- und Nusseltzahl und photographiert die Stromlinien, kann man das Modell mit den Berechnungen des Computers vergleichen.