DIE ZEIT

Unverjährbar

Nur ganz leise und untergründig klang der Ärger darüber an, daß der SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner den Bundestag gezwungen hatte, sich zum vierten- und nun wohl letztenmal mit dem leidigen Thema der Verjährung von NS-Verbrechen zu beschäftigen – im Herbst vergangenen Jahres schon, mit einem Appell „von israelischem Boden aus“, wo er damals weilte.

Pfeifen im Dunkeln

Zeichen, die bequem gewordene Wohlstandsbürger aufrütteln, ein Kraftakt zur Sicherung der Energieversorgung – das erwarteten Hunderte Millionen Weltbürger vom Gipfeltreffen in Tokio, Millionen Deutsche von der Regierungserklärung Helmut Schmidts in Bonn.

Gebeutelter Bischof

Rhodesiens erstem schwarzen Ministerpräsidenten lastet ein Alp auf der Brust: das Wort „überzeugend“. Wenn es ihm gelänge, überzeugend zu beweisen, daß in Salisbury tatsächlich ein Machtwechsel stattgefunden habe, dann könne er mit einer Aufhebung der Sanktionen und der Aberkennung seiner Regierung rechnen.

Theodor Eschenburg: „Wiedervorlage“

Wenn wir früher gesagt haben: „nicht vertrauenswürdig“, „nicht der Würde des Amtes entsprechend“, hat man uns ausgelacht und gesagt: „Diese zwitschernden Professorenaus idyllischen Kleinstädten.

Worte des Kandidaten Franz Josef Strauß

„Ich weiß gar nicht, ob Herr Brandt persönliche Schwächen hat Aber eines wird man doch noch fregen dürfen: Was haben Sie in den zwölf Jahren draußen gemacht, wie man uns gefragt hat, was habt ihr in den zwölf Jahren drinnen gemacht.

Talente, Abgründe und Affären

Er ist 63 Jahre alt und seit 33 Jahren eine Figur unseres politischen Lebens. Schon 1949 zog er ins Bonner Parlament ein. Im Jahre 1953 – mit 38 – wurde er Sonderminister im Kabinett Adenauer, zwei Jahre später Minister für Atomfragen, ein Jahr später Verteidigungsminister.

Zufriedenheit und Zähneknirschen

War was? Schon am Morgen nach der heroischen Kandidatenschlacht in der Unionsfraktion regierte in Bonn wieder die schiere parlamentarische Normalität.

Energie-Krise in den Vereinigten Staaten: Carter will die Nation mobilisieren

Tummel dich im eigenen Garten“, gaben die Zeitungen als Devise für den 4. Juli, Amerikas Unabhängigkeitstag, aus. Was früher diensthabenden Ärzten und Apothekern vorbehalten blieb – die Nennung von Namen und Anschriften im Lokalteil –, das wurde diesmal auch dem halben Dutzend Tankstellen zuteil, die in der Millionenstadt Washington am Feiertag geöffnet sind.

Kriegsdienstverweigerung: Politik mit Lügen

Strauß wirft seinen Schatten voraus. Eine Woche vor seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten der Union hat es die CSU im Bundestag zuwege gebracht, den Allparteien-Kompromiß zur Neuordnung der Kriegsdienstverweigerung und des Zivildienstes platzen zu lassen.

Lex Havemann: Maulkorb für das Volk der DDR

Die Partei- und Staatsführung der DDR scheint wirklich zu glauben, daß ihr das Wasser bis zum Hals steht. Anders ist die rigorose Verschärfung der Staatsschutzbestimmungen im DDR-Strafgesetzbuch nicht zu erklären.

Korea: Schritt zur Wiedervereinigung?

Nach Abschluß des Tokioter Weltwirtschaftsgipfels besuchte der amerikanische Präsident Carter Südkorea. Wichtigstes Ergebnis des Besuchs war die Einladung an Nordkorea zu Dreiergesprächen über die Zukunft des geteilten Landes.

Rom-Reise

Immer schon, wenn sich ein Bonner Kanzler – gar ein sozialdemokratischer und protestantischer – anschickte, den Papst zu besuchen, verkrampfte sich etwas in der deutschen Provinz, in der kirchlichen wie in der parteipolitischen.

Tschechoslowakei: Brutaler Übergang zu nacktem Terror

Zu den Standardnachrichten aus kommunistischen Staaten im allgemeinen und aus der Tschechoslowakei im besonderen gehören Berichte über Prozesse gegen Bürgerrechtler, Informationen über willkürliche Festnahmen, über Inhaftierungen.

Verletzung

Die Änderung des Wahlgesetzes der DDR, die die Volkskammer letzte Woche ohne Aussprache im Hauruck-Verfahren beschloß, ist ein Verstoß gegen den Viermächtestatus von Berlin.

BONNER BÜHNE: Düstere Gewitterstimmung

Ein comeback kann man es nicht direkt nennen. Rainer Offergeld, seit Februar 1978 Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, war auf der Bildfläche noch gar nicht richtig präsent und schien schon wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Stehplatz in der Hölle

Bis vor zehn Monaten setzte kaum jemand seinen Fuß auf das Eiland. Es gab eine Hütte, die malayischen Fischern Schutz vor dem Sturm bot und einen Ziehbrunnen, der Wasser für die Weiterfahrt lieferte.

Zuflucht, keine Heimat

Seit 1978 hat die Bundesrepublik 3438 Indochina-Flüchtlinge, die meisten aus Südvietnam, aufgenommen: Das sind nur ein Prozent aus der großen Schar jener Menschen, die ihrer politischen Überzeugungen oder ethnischen Herkunft wegen in den letzten fünf Jahren von den neuen kommunistischen Herrschern zumal Vietnams vertrieben worden sind.

Wolf gang Ebert: Nun warnen sie wieder

„Vielleicht kannst du nicht schlafen, weil du morgen mit dieser DC 10 fliegen mußt, hoffentlich stürzt sie nicht ausgerechnet über einem Kernkraftwerk ab.

Afrika: Zwietracht statt Einheit

Angenehm waren ihm die Plakate sicher nicht, die ihm nach der Feierstunde in der vergangenen Woche entgegengehalten wurden. Aber peinlich zu berühren schienen sie ihn nicht.

Poet unter Parlamentariern: Abschied als Heimkehr?

Wenn ein Schriftsteller als Parlamentarier das Handtuch wirft, muß das nicht nur ein Zeichen von Mutlosigkeit sein. In der Sprache des einstigen Seekadetten Dieter Lattmann darf man dies auch so verstehen: Hier zeigt einer Flagge.

Hessen: Signal-Wirkung?

Wie der Zufall so spielt: Saßen doch bei dem Lufthansa-Flug London–Frankfurt, der am Samstag, dem 23. Juni neben anderen Passagieren auch Astrid Proll und fünf amtliche Begleiter beförderte, auch ein Fernseh-Kameramann und ein Photograph einer Illustrierten.

Bayern: Eine teure und sinnlose Reise

Die Münchener Elektrizitätswerke wollen sich an dem Atomkraftwerk Ohu/Isar beteiligen. Verständlich also, wenn sich die Mitglieder des Stadtrates und die Leitung des Elektrizitätswerkes, es gehört der Stadt, informieren wollen.

Baden-Württemberg: Verderbliche Biologie

Das Schauspiel in der Schickhardt-Realschule begleiten die Pennäler jedesmal mit lustvollem Grinsen. Immer wenn die 6 c in Biologie die Formblätter zur Sexualerziehung, etwa „Die Geschlechtsorgane des Mannes“ hervorholt – verläßt Jakob das Klassenzimmer.

Vor zwei Jahren trat das neue Scheidungsrecht in Kraft. Die Zahl seiner Kritiker ist noch groß. Doch die Praktiker finden, das Gesetz bringe im Prinzip eine größere Gerechtigkeit. Die Praxis zeigt, daß in Einzelfällen auch ungerechte Entscheidungen möglich sind, die die Reform ins Gegenteil verkehren.: Lebenslange Rente für die Luxusfrau

Als vor zwei Jahren das neue Scheidungsrecht in Kraft trat, waren die Reaktionen darauf höchst unterschiedlich: Mehr Gerechtigkeit für geschiedene Frauen und mehr Fairneß im Scheidungsprozeß erhofften sich die einen, ein Prozeßchaos und die Ausbeutung der Männer durch eine lebenslange Unterhaltsknechtschaft befürchteten die anderen.

Die Strategen sind müde

Die Botschaft von der Genfer Opec-Konferenz lautet: Die erdölexportierenden Länder sind entschlossen, die Produktion niedrig zu halten oder gar zu drosseln.

Nicht mit dem großen Knüppel

In der kommenden Woche steht der Zentralbankrat vor einer schweren Aufgabe, In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause muß er ein neues Stabilitätssignal setzen, will er nicht seinen Präsidenten Otmar Emminger „im Regen stehenlassen“, eine Zwangslage, in die dieser den Zentralbankrat durch seine Alarmrede anläßlich eines „Bankenabends“ in München Ende Juni gebracht hat.

BONNER KULISSE

Bundesforschungsminister Volker Hauff, der in letzter Zeit mit mancherlei kuriosen Sparplänen hervorgetretene Kabinetts-Benjamin, verspürt bereits jetzt am eigenen Leibe, was etlichen Delegierten des nächsten SPD-Parteitages im Dezember in Berlin noch bevorsteht: Er wache nachts auf, wenn er an Kernkraftwerke und Atomstrom denke.

Soziale Alterssicherung: Die schönen Zeiten sind vorbei

Der Streit klingt so, wie es sich unter Deutschen gehört: Prinzip gegen Prinzip, denn Grundsätze müssen schließlich sein. Von 1982 an, so beteuern Sozialdemokraten und Unionsparteien, müsse die Entwicklung der Renten wieder „bruttolohnbezogen“ sein, die Alterseinkünfte der Sozialversicherten müßten mithin wieder im gleichen Tempo ansteigen wie die Bruttolöhne (vor Steuern und Sozialabgaben) der Beitragszahler, denn so sei es, mit Ausnahme der Jahre 1978 bis 1981, immer gewesen.

Wirtschaft im Untergrund: Black is beautiful

Der junge Mann, der am frühen Abend an der Haustür klingelte, machte eine verlockende Offerte: Für nur hundert Pfund (400 Mark) wollte er die etwas unansehnlich gekieste Einfahrt mit einer Asphaltdecke überziehen.

Chance für Schwarzhändler

Je knapper das Benzin in den Vereinigten Staaten wird und je länger die Schlangen an den Tankstellen, um so lauter wird die Forderung nach einer Benzinrationierung.

Weinhandel: Das Glück in der Nische

Eigentlich war die Erfolgsidee nichts anderes als ein Kind der Krise. Da gab es in Düsseldorf seit 1968 die Marketing-Gesellschaft Inket, die von der Beratung französischer Unternehmen lebte.

Management: Der Mann nach Plettner

Eine Entscheidung, die hinter den Kulissen seit langem beredet wurde, ist nun gefallen – erfreulich früh. Der Aufsichtsrat der Siemens AG kürte in seiner Sommersitzung in Wien den Mann, der das Weltunternehmen als Vorstandsvorsitzender durch die achtziger Jahre führen soll: Es ist der 51jährige Karlheinz Kaske, gebürtiger Essener, seit 29 Jahren in Diensten des Elektrokonzerns.

Abschreibern an den Kragen

Niemand zahlt gern mehr Steuern als unbedingt nötig. Das erkennt auch unser oberstes Steuergericht, der Bundesfinanzhof, an, indem er feststellt: „Jedermann hat das Recht, seine Verhältnisse so einzurichten, daß er möglichst wenig Steuern zu bezahlen braucht.

BUCH DER WOCHE

Wer sich in der Woche der energiepolitischen Debatten selbst ein Bild über die Kernkraft machen möchte, der nehme dieses Büchlein zur Hand.

Nicht allen helfen

Breuel: Ich würde sagen, der Staat betätigt sich nur als Reparaturbetrieb des Kapitalismus, wenn er das hundertprozentige Risiko übernimmt.

MANAGER UND MÄRKTE

In seinem eigenen Unternehmen zahlt der Großindustrielle Herbert Quandt fürstliche Vorstandsgehälter: Nach einer Erhebung der Kienbaum Unternehmensberatung überwiesen die Quandt-Gesellschaften Altana Industrie-Aktien und Anlagen AG und Varta AG ihren Vorständen 1977 durchschnittlich 946 000 beziehungsweise 933 400 Mark im Jahr und waren damit Spitzenreiter in der deutschen Industrie.

ZEITRAFFER

Eine Reihe von bedeutsamen Rechtsänderungen ist am 1. Juli in Kraft getreten. Berufstätige und arbeitslose Mütter, deren gesetzliche Mutterschutzfrist am 30.

Energieversorgung im Ostblock: Sparen wie im Westen

Ost-Berlins bekanntester Wirtschaftskommentator, Karl-Heinz Gerstner, wurde bissig. In Radio DDR verkündete er: „Der Konzeptionslosigkeit, man kann sagen, der Kopflosigkeit des Westens haben wir in der sozialistischen Staatengemeinschaft eine konkrete, in sich geschlossene, langfristige Energiepolitik entgegenzusetzen, in der die einzelnen Energieträger ihren Platz haben, auch die Kernenergie, denn ohne die geht es nicht.

Zum Schornstein hinaus

Daß die Unternehmer rücksichtslose Ausbeuter sind, haben sie in den siebziger Jahren erneut bewiesen: Die Ausnutzung der eingesetzten Energie wurde so verbessert, daß trotz steigender Produktion der Anteil am gesamten Energieverbrauch kräftig zurückging.

ZEIT spart Geld

Die Deutsche Bank hat die Zinssätze für sogenannte Programmkredite heraufgesetzt. Kleinkredite und Anschaffungsdarlehen kosten jetzt 0,43 Prozent pro Monat (bisher 0,39 Prozent).

Was sollen unsere Kinder lernen?

Eine neue Form der Verweigerung breitet sich aus – Die unverarbeitete eigene Schuld macht die Erwachsenen unfähig zur Solidarität mit der Jugend

Ghostwriter gesucht

Fräulein Emilie Pachulke hat unserem Haushalt treu und redlich gedient, war stets aufrichtig und den anderen Hausgehilfinnen offen und liebenswürdig zugewandt“ – ein Zeugnis diesen Tons hielte man entweder für eine Regieanweisung von Gerhart Hauptmann oder für eine Parodie.

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