DIE ZEIT

Völkerwanderung des zwanzigsten Jahrhunderts

Von Marion Gräfin Dönhoff Es gibt immer wieder neue Vokabeln, die zunächst ungewohnt sind, dann aber rasch in den Sprachgebrauch eingehen, beispielsweise: Blitzkrieg, Treck, Curfew – die Reihenfolge ist übrigens historisch akurat.

Zeitspiegel

Das revolutionäre Angola und das Apartheidsland Südafrika sind möglicherweise so verfeindet nicht, wie sie sich nach außen geben.

Worte der Woche

„Ich rede nicht von Blut, Schweiß und Tränen – das konnte ein Kriegspremierminister in England im Mai 1942 tun, dafür besteht kein Anlaß.

Entsetzen über das Massaker

Die einen wollten Washinton in „Managua“ umtaufen, andere fanden „Jonestown“ angemessener: Es war das schlimmste Polit-Massaker seit 1842, als Präsident John Tyler fünf seiner insgesamt sechs Minister ziehen ließ.

Wettlauf der beiden Chinas

Wer sich einen Begriff davon verschaffen will, wie die Volksrepublik China im Jahre 2000 aussehen könnte, der fährt am besten nach Taiwan.

Wolfgang Ebert: Starker Mann – wozu?

Wer – wenn überhaupt! – braucht einen starken Mann und wozu und warum gerade jetzt? So viele Fragen, so viele Antworten. Ein Bekenntnis vorweg: Auch ich brauche zuweilen einen starken Mann, und zwar auf Flugplätzen und Bahnhöfen, als Träger für mein Gepäck, wenn alle Gepäckkarren belegt sind.

Portugal: Zwei Jahre Wahlkampf

Maria de Lurdes Pintassilgo, bekannt für ihre unverblümte Offenheit, sagte es Donnerstag voriger Woche unmißverständlich: „Irgendeiner mußte ja schließlich den Job übernehmen.

Euratom:: Demontage?

Da wird weder offen an den Kontrollbestimmungen von Euratom gerüttelt, noch wird das Gemeinschaftseigentum an in der EG verwendeten Kernbrennstoffen in Frage gestellt.

Jetzt Zwang zum Sparen

Das Bundesverfassungsgericht hat mit seinem Urteil die Parteien nicht aus ihren Finanznöten befreit. In den ersten Stellungnahmen der Schatzmeister ist vor allem vom Zwang zum Sparen die Rede.

Afrika: Weiter zerstritten

In der liberianischen Hauptstadt Monrovia ist das 16. Gipfeltreffen der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), zu Ende gegangen.

Tacho tritt ab

Somoza ist verschwunden: In Nicaragua wird abgerechnet. Ein ZEIT-Redakteur sprach mit den Revolutionären und den Besiegten

Ich bin kein Kommunist

ZERO: Alles, was wir verteilen können, sind Strapazen. Der Wiederaufbau einer Nation ist immer eine harte Arbeit; in Nicaragua um so mehr, weil es auch darum geht, Arbeitsplätze zu schaffen und Schulen für die lange vergessenen Armen einzurichten.

Monument für den Schrottplatz?

Dieser Schrottkauf aus Steuermitteln ist Veruntreuung öffentlicher Mittel, anders kann man es als Arbeitnehmer nicht sehen. Was sagen wohl die Arbeitslosen dazu, die gegenüber um Geld und Arbeit betteln müssen? Herr Eikelbeck und seine Stadtverordneten – soweit für den Kauf verantwortlich – sollten den Schrott seiner Bestimmung zuführen und aus eigener Tasche dafür zahlen – alles.

Stromboykotteure bekommen recht: „Strobos“ kontra Kernenergie

Atemlose Stille herrscht im Saal VI des Stuttgarter Amtsgerichts, als die Richterin in knappen Sätzen ihr Urteil verliest. Dann plötzlich bricht unter den fünfzig: jungen Zuhörern tosender Applaus aus: Die Richterin hat den Prozeß zugunsten zweier, Stuttgarter Stromteilzahlungsboykotteure, zweier „Strobos“, entschieden.

„Terminal“ am Hauptbahnhof

Richard Serras Skulptur „Terminal“, die jetzt bei Bochumer Bürgern (zumindest denen, die sich auch als Leserbriefschreiber betätigen) so viel Hohn, Haß und Zerstörungswut evoziert, war die vielleicht klassisch schönste Skulptur auf der in alle Richtungen und Irrwege ausufernden documenta 6 in Kassel 1977: ein Turm aus vier aneinandergelehnten, zwölf Meter hohen trapezförmigen Eisenplatten, zwei von oben nach unten, zwei von unten nach oben leicht verjüngt, wodurch ein spielerisches Moment der Irregularität in dieses schwergewichtige Kartenhaus kommt.

Justizkritik: Der Richter als Angeklagter

Welcher Feuilletonist oder Schriftsteller hätte nicht schon einmal Lust verspürt, seine Feder an Gesetz und Recht zu weisen, an einem politisch einäugigen Richter, einem naßforschen Staatsanwalt oder einem verknöcherten Winkeladvokaten.

Verhungern müßte niemand

Aber die ungleiche Verteilung des Bodens treibt immer mehr Menschen ins Elend – Die Dritte Welt droht: entweder Agrarreform oder Revolution

Winterbuckel oder Rezession?

Bundesregierung und Bundesbank müssen höllisch aufpassen, daß der gegenwärtige Aufschwung nicht wie 1973 in einer Stabilisierungskrise mit anschließender Rezession endet.

Förderzins: Fremder Zweck

Von Jimmy Carter könnte Walther Leisler Kiep in Sachen Energiepolitik noch lernen. Denn der amerikanische Präsident will den künftigen Förderzins auf die heimische Ölförderung zweckgebunden für die Sicherung der Energieversorgung in den Vereinigten Staaten ausgeben.

Franz Josef Strauß: Im Glashaus

Am 12. Juli 1979 wurde bekannt, daß der Nachfolger Otmar Emmingers auf dem Chefsessel der Deutschen Bundesbank Karl Otto Pöhl heißen wird.

Europäische Gemeinschaft: Der Bremser

Der Bundesrepublik droht eine Klage der EG-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof. Als einziges EG-Mitglied haben nämlich die sonst in der Europapolitik so emsigen Deutschen das Gesetz zur Übernahme der sechsten Mehrwertsteuerrichtlinie nicht verabschiedet.

BONNER KULISSE

Daß Beamte auch einmal degradiert werden, ist eine Rarität besondere Art. Denn um das zu erreichen, muß schon eine ganze Menge passieren.

Weihnachtsgeld für das Öl?

Die Industriegewerkschaft Bergbau und Energie ist fein raus: Mit dem letzten Tarifabschluß im Mai dieses Jahres vereinbarte sie für alle Bergarbeiter eine zusätzliche Tonne Deputatkohle.

Neue Besen in Washington: „Der Klüngel“ läßt grüßen

Beim Thema Dollar ’fällt einem unwillkürlich Michael Blumenthal ein. Der bisherige US-Finanzminister gilt vor allem außerhalb der USA als der Mann, der den Kurs der amerikanischen Währung „heruntergeredet“ und durch seine Unterstützung der Carterschen Expansionspolitik um jeden Preis die Dollar-Schwindsucht beschleunigt hat.

Börsen-Report: Ausländer bestimmen die Richtung

Während die Mehrzahl der Kreditinstitute ihrer Kundschaft bei der Aktienanlage weiterhin zur Vorsicht rät, ist man bei den Banken einhellig der Ansicht, daß die Zeit zum Rentenkauf jetzt gekommen ist.

Schweiz: Nicht immer ist Eigenbau billig

Die Parallelität der Ereignisse soll rein zufällig sein. „Mit dem Panzerskandal hat mein angekündigter Rücktritt nichts zu tun“, versicherte Helvetiens Verteidigungsminister Rudolf Gnägi und fügte hinzu: „Daß die Ankündigung gerade in diese hektische Zeit fällt, dafür kann ich nichts.

MANAGER UND MÄRKTE

Tradition muß sich ein Traditionsunternehmen auch mal etwas kosten lassen. Die Achtung vor der eigenen Geschichte hat die älteste Automobilfirma der Welt, Daimler-Benz, daher gleichsam dazu gezwungen, das Geburtshaus von Gottlieb Daimler in Schorndorf bei Stuttgart zu kaufen, um ein möglicherweise „unwürdiges“ Schicksal vom 300 Jahre alten Fachwerkgebäude abzuwenden.

Ohne Subventionen wäre es teurer

Fante: Nun, zunächst erwarten wir ein Produktionstief im nächsten Jahr weltweit mit nur rund zehn Millionen gewichteten Bruttoregistertonnen.

ZEITRAFFER

Auch ein schlechter Sommer hat seine guten Seiten. Der am kommenden Montag in der Bundesrepublik beginnende Sommerschlußverkauf jedenfalls verspricht günstige Einkaufsmöglichkeiten – vor allem für Sommersachen.

Horror-Trip ins TV-Paradies

Wollt ihr das totale Fernsehen? Gaudi auf zehn Kanälen, vom Morgengrauen bis nach Mitternacht? Hollmann, Heck und Thoelke bis zum Endsieg der Einfalt? Den Weg in das Schlaraffenland der gnadenlosen Unterhaltung wies uns gerade Axel Springers Welt am Sonntag: Er führt in die kalifornische Kleinstadt Santa Barbara, wo jeder, der nur will, die Wahl zwischen zehn Programmen hat (und einem elften für die mexikanische Minderheit).

Bier, Beethoven, Hitler

Aus anderen Ländern, über andere Völker zu berichten, auch nur eine Skizze zu versuchen, das ist das ewig neue Dilemma: Nach zehn Tagen weiß man alles, nach drei Wochen kann man ein Buch darüber schreiben, nach drei Monaten scheint vieles fraglich, und nach drei Jahren schweigt man.

Zeitmosaik

In dieser Auseinandersetzung entpuppt sich die Konstruktion des öffentlichrechtlichen Rundfunks als das, was seit der Gründung des NWDR von 1948 wirklich geworden ist: Ein Mittel des politischen undideologischen Kampfes von oben.

Wie leben? Menschengemäß?

Nein, kein Gutwilliger wird Sie für „bescheuert“halten, wie Sie es Ihrer Adressatinzum Schluß Ihres Plädoyers in der ZEIT vom 20.

Hans Christian, Andersen: Märchen

Im Dezember 1932 schenkte der Gefion-Verlag (Berlin – Kopenhagen – Malmö) dem Direktor einer Berliner Lackfabrik dreißig Heftchen mit Hans Christian Andersens gesammelten Märchen.

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