Der 76 Jahre alte Charan Singh ist vom indischen Staatspräsidenten Reddy zum neuen Regierungschef ernannt worden. Eine Neuorientierung der Regierungspolitik ist zu erwarten.

Der neue Regierungschef ist der Führer der nordindischen Bauernpartei, die im Frühjahr 1977 in der Janata-Koalition aufging und in einer Erdrutschwahl die damalige Premierministerin Indira Gandhi stürzte. Mitte vergangenen Jahres wurde Singh vom Regierungschef Desai als Innenminister entlassen, mußte aber auf den Druck seiner Freunde hin Anfang 1979 als Finanzminister und stellvertretender Regierungschef ins Kabinett zurückgeholt werden.

Mit der Regierungsübernahme Singhs sind die politischen Kräfteverhältnisse Indiens verändert worden: Die Janata besteht nicht mehr, Indira Gandhis Gewicht wächst. Wie lange Singh im indischen Parlament Mehrheiten für eine bewußt säkulare, an den Entwicklungsinteressen des Landes orientierte Politik finden wird, bleibt offen. U. V.