Es stand zu erwarten, daß der Regierungs-Muezzin des iranischen Revolutionsregimes, Sadegh Tabatabai, die Bundesrepublik schrill ins Gebet nehmen würde. Das entschiedene Vorgehen deutscher Behörden gegen die Selbstjustiz der neuen Prügel-Perser ist zwar selbstverständlich. Doch es erinnert auch daran, wie unverständlich die frühere Zurückhaltung gegenüber den Savak-Agenten des Schahs war. Das iranische Volk hat den Schah, in dem es vor allem den korrupten Makler ausländischer Wirtschaftsinteressen sah, der es seiner nationalen Identität beraubte, aus eigener Kraft gestürzt. Wenn schon der Islam nicht gestattet, von Ungläubigen Rat anzunehmen, wie sollen die Iraner Kritik aus Ländern akzeptieren, die mit dem Schah eine Vernunftehe der Staatsräson führten.

Bedauerlicherweise hat ein Teil der deutschen Presse aus eben dieser Räson den Polizeiterror, die Folterungen, die Ausschaltungen der Zivilrichter während der Schah-Diktatur unter dem dicken Teppich der verflochtenen Wirtschaftsinteressen gelassen. Bis hier reicht das Verständnis für den Zorn der iranischen Großinquisitoren. Mit kühler Gelassenheit und sachlicher Kritik zurückzuweisen sind indessen Aufforderungen, an Bonn – wie in der jüngsten iranischen Note –, von der „feindseligen und beleidigenden Propaganda“ der deutschen Presse offiziell Abstand zu nehmen. Die aus Revolution und aus religiöser Rechtssuche in einen blutigen Racherausch abgeglittenen Mullahs haben Grund genug, vor der eigenen Moschee zu kehren. Sie können nicht verlangen, daß wir islamische Säuberungsjustiz tolerieren und über die bei uns gewachsene Vorstellung von Menschenrechten stellen. Und sie machen den Trennungsstrich zwischen der „antinationalen“ Rechtlosigkeit des Schahregimes und der inquisitorischen Gerichtsbarkeit der Revolution selbst immer schwerer.

Auch wenn die iranische Regierung offizeill von den Rechtsbrüchen persischer Studenten auf deutschem Boden abgerückt ist, so steht sie ihnen doch wohl kaum sehr fern – nach dem Aufruf eines führenden Ajatollahs, die Familie des Schahs zu ermorden, in welchem Land auch immer. Wie kann die deutsche Presse vor „Verzerrungen“ gefeit sein – wo selbst Chomeini und Bazargan die Justiz nicht zügeln können.

Teheran hat weder die Geduld gezeigt, den Schergen des Schahs vor aller Welt, öffentlich den Prozeß zu machen, noch die Grenzen gefunden zwischen Recht und Rache. Tabatabais Feststellung, daß „die Grenzen der Geduld erreicht“ seien, ist deshalb eine Anmaßung. C. S. H.