Die mehrere Monate lang vernachlässigten Bankaktien weisen seit einigen Tagen bessere Kurse auf. Auf diesem Sektor lassen sich recht massive Anlagekäufe beobachten, die keineswegs allein auf ausländische Rechnung gehen. Ausgelöst wurden die Käufe offensichtlich durch die stabilere Tendenz am Rentenmarkt. Durch sie war eine Räumung alter, „ungeliebter“ Bestände zu Einstandskursen möglich; der bis vor kurzem geradezu bedrohlich scheinende Abschreibungsbedarf auf die Wertpapierbestände hat sich etwas zurückgebildet.

Möglicherweise wird es in der zweiten Jahreshälfte bei den Banken auch ein besseres Betriebsergebnis geben, so daß die Abschlüsse nicht ganz so stark gegenüber 1978 abfallen werden, wie noch bis vor kurzem befürchtet worden war.

Schließlich haben einige Investment-Fonds ihre Bestände an Bank-Aktien nicht ohne Grund verringert.

Die Großbanken werden es aber diesmal nicht schwer haben, die Aufrechterhaltung ihrer bisherigen Dividendensätze zu verteidigen. Denn mehr verdient werden als im vergangenen Jahr wird nur in Sonderfällen. Die Commerzbank dürfte also wieder 8,50, die Deutsche Bank und Dresdner Bank je neun Mark ausschütten. Unter Berücksichtigung der Steuergutschriften lassen sich bei den gegenwärtigen Kursen folgende Renditen ausrechnen: bei der Commerzbank 6,5 Prozent, der Deutschen Bank fünf Prozent und der Dresdner Bank 6,7 Prozent.

Natürlich können diese Renditen nicht mit denen verglichen werden, die bei den Unternehmen der Großchemie zu erreichen sind. Unter der Voraussetzung, daß BASF, Bayer und Hoechst ihre Dividende für 1979 um eine auf sieben Mark heraufsetzen, kommt man hier auf eine „Verzinsung“ (ebenfalls unter Einbeziehung der Steuergutschrift) von acht bis 8,5 Prozent. Sätze, die glatt mit denen des Rentenmarktes konkurrieren können. Nur sind Chemie-Renditen weniger sicher. Niemand vermag heute zu sagen, wie die Chemie-Konjunktur im kommenden Jahr aussehen wird. Unsere Chemie-Unternehmen kennen keine Dividendenkontinuität wie etwa die Banken oder auch Siemens. K. W.