Von Rudolf Walter Leonhardt

Die Ausfahrt aus dem Hof der Erika-Werke in Bad Waldsee war das schwierigste. Hoch über dem Kribbelkrabbel der Limousinen sitzend, fühlte ich mich lebhaft erinnert an ferne Tage, als ich mal Lkws fuhr.

Eine Woche später erschien die Einfahrt riesig weit, bequem zu nehmen. Wir hatten viele enge Ortsdurchfahrten der schönen kleinen Dörfer oder Städtchen am Kaiserstuhl, von Bickensohl bis Bötzingen, von Bischoffingen bis Breisach hinter uns. Zum „wir“ später mehr, wenn es ans Wohnen geht, denn schließlich ist das Hymermobil ein Wohnmobil.

Aber es ist eben beinahe auch ein richtiges Auto, und ein Mercedes-Fabrikat obendrein. Die Geduld des 2,3-Liter-Otto-Motors ist nahezu unerschöpflich. Im ersten Gang schleppt er die immerhin drei Tonnen noch die steilsten Wege zwischen den rebflurbereinigten Terrassen des Kaiserstuhls hinauf. Und wenn der Fahrer von den Übersetzungsmöglichkeiten des Getriebes regen Gebrauch macht, dann bleibt der Motor auch freundlich. Es muß viel geschaltet werden. Aber die Schaltung funktioniert so leicht und beinahe so reibungslos wie bei einem Volkswagen.

Auf der Autobahn freilich erhält es die Seelenruhe, wenn man sich wieder als Lastwagenfahrer fühlt, brav auf der rechten Spur, und links unten zwischen die Kleinen vorbei. 120 Stundenkilometer Spitze stehen im Fahrzeugschein. Da muß jemand geschoben haben. Bei uns kam die Tachonadel allenfalls auf 110.

Der einigermaßen geübte Autofahrer fühlt sich im Hymermobil bald auch auf kleinen Straßen ganz zu Hause. Die Breite von 2,18 m ist überhaupt kein Problem, da vorzügliche Omnibus-Seitenspiegel dem, der ein bißchen geübt hat, auf den Zentimeter genau anzeigen: das geht noch – das geht nicht mehr. Und wo es nicht mehr geht, werden sogar Porsches respektvoll und fügen sich freundlich in komplizierte Ausweichmanöver, wobei die Herablassung schon wegen der Höhe des Fahrersitzes ganz auf Seiten des Hymermobils ist.

Mit 12,5 m ist der Wendekreis des Hymer-Ungetüms kaum größer als der manches Mittelklassewagens. Ganz anders als etwa ein angehängter Wohnwagen ist das Hymermobil erstaunlich manövrierfähig, auch rückwärts.