Zur allgemeinen Verwunderung hat die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank aufgerechnet ihre attraktivste Brauerei-Beteiligung abgestoßen. Die Mehrheit bei Paulaner, Münchens größter und ertragsstärkster Bierfabrik, ging zu einem Liebhaberpreis von mehr als 90 Millionen Mark an den Bauunternehmer Josef Schörghuber, der Anfang des Jahres bereits über fünfzig Prozent der Aktien bei Hacker-Pschorr erworben hat – von der Bayerischen Vereinsbank.

Der Baulöwe wurde zum „Brau-Löwen“. Der 59jährige Schörghuber gebietet nun über die Hälfte des Bier-Ausstoßes in der weiß-blauen Metropole. Nicht zuletzt lockte ihn der Grundbesitz der Brauereien. Die Frage liegt nahe, ob er sich dabei finanziell nicht übernimmt. Kenner des cleveren Bayern versichern, er sei recht liquide. Zudem kann er in den nächsten Jahren beim Verkauf riesiger Bauareale mit hohen Veräußerungsgewinnen rechnen, und er hofft wohl auf steuerneutrale Wiederanlage. Zu begrüßen ist, daß der Konzern mit bald zwei Milliarden Mark Umsatz demnächst einen Beirat erhält. Was die Hypobank angeht, so verwundert die Hektik, mit der man sich dort von einem angestammten blue chip löst. Ist es nur Respekt vor Inge Lore Bähre, der Präsidentin, des Bundesaufsichtsamtes, oder kommt das neue Verwaltungsgebäude so teuer zu stehen, daß man in der Bilanz „Platz“ schaffen muß?