Regierungen und Notenbanken: Aufsicht für Euromärkte

Von Rudolf Herlt

Während die einen versuchen, über eine Freihandelszone für Geld in New York die Fremdwährungsmärkte auszudehnen, sinnen andere darüber nach, wie sie sie unter behördliche Kontrolle bringen können. Die einen – das sind amerikanische Großbanken und ihr Troll aus vielen Ländern; die anderen – das sind die Regierungen und Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks und in Japan.

Wer wird in diesem Kampf um die Fremdwährungsmärkte, für die sich der Kurzbegriff „Euromärkte“ eingebürgert hat, schließlich die Oberhand gewinnen? Die Antwort steht jetzt schon fest: die Regierungen und die Notenbanken. Die Tage der absoluten Freiheit auf den Euromärkten sind gezählt. Das Zeitalter der Aufsicht hat schon begonnen.

Die Euromärkte wären die letzten kommerziellen Einrichtungen, die weder Regierungen noch Notenbanken beeinflussen konnten. Die Banken, die auf Euromärkten arbeiten, zahlen im Sitzland meist weniger Steuern als ihre Mütter zu Hause. Sie bewegen sich in einer Welt freier Zinsen und genießen die Kostenvorteile, die sich aus dem Verzicht der Notenbanken des Sitzlandes auf Mindestreserven ergeben.

Wo sich dieser Dreiklang der Privilegien einstellte, entwickelten sich die Zentren des Euro-, markts: Luxemburg, London und Brüssel in Europa; Tokio, Hongkong und Singapur in Asien; die Bahrein-Inseln im Persischen Golf; die Bahamas, Cayman Islands und Panama in der westlichen Hemisphäre. Auf dem Euromarkt gibt es keine Schalterstunden. Hier kann rund um die Uhr gehandelt werden.

Auch Laien erkennen auf den ersten Blick, daß Behörden einen solchen Markt nur in den Griff bekommen können, wenn sich viele Regierungen auf ein Verfahren zur Kontrolle einigen. Weil das so unendlich schwierig ist, wurde jahrelang nur diskutiert, analysiert, diagnostiziert. Dabei wurde zwar eine erstaunliche Einmütigkeit erreicht. Sobald es aber um die Therapie ging, war es mit der Harmonie vorbei.