Es gab weder kurzfristige Absagen noch besorgte Anrufe: „Einen ganz normalen Geschäftstag“ vermeldeten deutsche Spanien-Reiseveranstalter nach den jüngsten Terroranschlägen in Madrid. „Im Gegenteil, bei mir sind gerade einige neue Buchungen eingelaufen“, antwortete der Geschäftsführer von Ibero-Tours, Kurt Barthold, auf die Frage, ob die Schreckensbilder, die am vergangenen Wochenende über die Fernsehschirme liefen, Spanien-Reisende verstört haben könnten.

Was also ist der deutsche Tourist: besonnen oder risikofreudig, politisch desinteressiert oder ganz einfach fatalistisch? „Es gibt auch so etwas wie eine Bequemlichkeitsschwelle bei Touristen“, sagte dazu ein Sprecher von ADAC-Reisen: „Langfristige Reisepläne werden auch nach Vorfällen wie in Spanien nicht einfach über den Haufen geworfen.“

Bereits vor wenigen Wochen hatten sich deutsche Touristen von den Bombenattentaten der baskischen Untergrundorganisation ETA an der Costa del Sol nicht beirren lassen. So hat von den 12 000 Urlaubern der Deutschen Touristik-Union International (TUI), die just an der bedrohten Küste bräunten, niemand von der angebotenen Rückflugmöglichkeit Gebrauch gemacht.

„Wir haben unseren Gästen vorgeschlagen, nach Sizilien auszuweichen“, hieß es auch beim ADAC, „doch keiner hat es gewollt.“ Diesen Umstand versucht eine Neckermann-Sprecherin so zu erklären: „Die Leute liegen in der Sonne am Strand und erfahren abends, oft auch erst am nächsten Morgen, von den Vorkommnissen aus deutschen Zeitungen. Sie fallen dann, ganz in Ferienlaune, aus allen Wolken: Was, so Schreckliches passiert um uns herum?“

Die Neigung, aus den bedrückenden Vorfällen Konsequenzen zu ziehen aber bleibt nach wie vor gering. Von den 70 000 TUI-Kunden, die ihr Sommerquartier auf dem spanischen Festland gebucht hatten, nahmen nach den ersten Bombenattentaten gerade 400 die Gelegenheit wahr, kostenlos (also ohne Stornogebühr) auf Länder wie Italien, Jugoslawien oder auf die spanischen Inseln auszuweichen.

Denn letztere, die kanarischen Inseln oder die Balearen (also Mallorca, Ibiza und Menorca), die einen Großteil der deutschen Spanientouristen aufnehmen, sind von der Terrorwelle noch nicht berührt. „Mallorca, das gilt als sicher“, meint Ibero-Geschäftsführer Barthold. „Mallorca, das ist doch irgendwie schon gar nicht mehr Spanien.“

Zudem dürfen Reiseunternehmen, die vor allem Flugreisen abwickeln, auch eine deutsch-spanische Verbundenheit registrieren, die nicht nur gefühlsmäßig sondern auch ökonomisch bedingt ist. Ungezählte Bundesbürger, so wird versichert, besäßen Wohnungen, Häuser, Freunde an besagter bombenbedrohter Mittelmeerküste. „Und die kommen in die vertraute Umgebung“, so ein Pressesprecher von Tjaereborg-Reisen, „allen Horrormeldungen zum Trotz.“