Gefahr für Messnerianer: die „Höhenkrankheit“

Von Günter Haaf

Wenn der Berg ruft, wenn sein allererster Prophet Reinhold Messner von Everest und K-2 lockt, gibt’s kein Halten mehr. Und so kommt Maier in den Himalaya: Mehr als 8000 Messnerianer schnauften allein letztes Jahr hinauf zum 5400 Meter hoch gelegenen Basis-Camp am Fuß des Mount Everest.

Aber wie kommen die Maiers wieder runter? Bei Messner, dem monomanen Montan-Mensehen, macht sich niemand mehr Gedanken. Er hat ja seine Mutter und die Magazin-Menschen aus Plattdeutschland, die dafür sorgen, daß er immer auf gleicher Höhe bleibt, im Schnitt zumindest: Bei jedem Schritt abwärts schnellt sein Konto aufwärts.

Bei Maiers findet derlei Druckausgleich gewöhnlich nicht statt. Dafür drückt sich allzuoft Gewebsflüssigkeit im Körper der Bergamateure dorthin, wo sie niemand haben will. So soll sich am Fuß des Everest „bei mehr als 300 solcher Besucher ein lebensgefährdendes Höhen-Lungenödem entwickelt haben“, wie der Münchner Chirurg, Bergsteiger und Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung“, Professor Walter Brendel, unlängst in der Münchener Medizinischen Wochenschrift meldete.

Der Trekking-Tourismus hinauf in Höhen, in die sich vor wenigen Jahren allenfalls Seilschaften samt Sherpas verirrten, macht ein medizinisches Fachgebiet wieder aktuell, das bisher eher an Atemnot litt: die Höhenmedizin. Ende Mai trafen sich Experten im oberbayerischen Murnau, um Leitlinien für richtiges Verhalten und optimale ärztliche Versorgung im Hochgebirge zu erarbeiten.

Ab 3000 Meter, also jenseits des Zugspitzgipfels, beginnen nach der Alpinisteneinteilung die „mittleren Höhen“ und damit auch „in der Regel die Erscheinungen der Höhenkrankheit“, wie sich der Bergwachtarzt im Bayerischen Roten Kreuz, Albert W. Erbertseder, ausdrückt: In 3000 Meter Höhe „haben wir noch Zweidrittel des Sauerstoffangebotes in Meereshöhe; in 5000 Meter ist es etwa die Hälfte und in 8000 Meter ein Drittel“.