Er ist mir unentbehrlich geworden, zum Beispiel: wenn ich einen unwillkommenen Besucher abwimmeln will oder ein willkommener mich nicht erreicht und eine Nachricht hinterläßt. Wenn ich beladen mit Papiertüten vom Supermarkt komme und eigentlich noch schnell in die Reinigung will. Wenn in meiner Abwesenheit ein Päckchen kommt und er es im Postraum unter Verschluß hält, bis ich zurück bin. Wenn ich dem Büro des Vermieters etwas zu sagen habe oder den Hauswart wissen lassen will, daß mein Wasserhahn tropft – er nimmt alle Wohnungswünsche entgegen. Und am Monatsanfang auch den Scheck für die Miete.

Er – das ist der „Portier“. Im Grunde eine ungenügende Bezeichnung für den Doorman in einem New Yoker Apartmenthaus, denn er ist weit mehr als nur ein Türsteher. Auch das Wort Concierge ist irreführend, weil es an ein mehr oder weniger muffliges Wesen erinnert, das aus einem Glaskasten heraus den Zugang zu einem Pariser Treppenhaus überwacht.

Nein, in Manhattan ist der „Portier“ (meist ein Mann), der sich in Livree und nicht selten hinter einem schweren Eichtisch sitzend, in der Nähe der Tür aufhält, etwas ganz anderes, ja weit mehr: Empfangschef und Botenjunge, Telephonvermittler und Sicherheitsbeamter, Krankenschwester und Hundausführer, kurz, ein Zerberus mit Sonnenseiten.

Nachrichten für die Mieter entgegenzunehmen, ist sein tägliches Geschäft, aber Auskünfte erteilt er nur, wenn er dazu autorisiert wurde; Kein Besucher kommt an ihm vorbei, ohne durch die Sprechanlage avisiert zu werden: Doorman ist ein Sicherheitsfaktor, der auch in Wohnungsanzeigen als zusätzlicher Pluspunkt aufgeführt ist.

Mit der Lage des Gebäudes steigt die Eleganz der Uniformen, doch die Aufgaben des Doorman werden dadurch nicht geringer, im Gegenteil. Mr. Gonzales, der Chef-Doorman des Olympic Tower an der Fifth Avenue, konstatierte neulich in einem Zeitungsartikel mit Würde: „Wir tun alles, um den Mietern das Leben zu erleichtern.“ Die – oft nur sporadischen – Bewohner des von Onassis erbauten Glasbunkers sind Scheichs, europäischer Hoch- und amerikanischer Finanzadel. „Zusammen sprechen wir 30 Sprachen, wir haben alle Collegeabschluß.“ Den Vergleich mit einer Pariser Concierge weist er weit von sich im Olympic Tower und vergleichbaren Luxushäusern ist es manchmal schwer zu sagen, ob die Doormen oder die Mieter die größeren Snobs sind.

In unserem Haus wachen insgesamt sechs Doormen und ein Nachtportier über Tür und Sicherheit der Hausbewohner. Bob hat auf dem Pult immer den neuesten Roman liegen, neulich las er in einem Essay von Susan Sontag. Gary bringt Zeichenblock und Filzstifte, um die freie Zeit zu nutzen, und Paul verbringt sie vor der Haustür, wo er mit einem älteren, querschnittgelähmten Herrn, der an sonnigen Tagen in seinem Rollstuhl auf dem Bürgersteig steht, lange über Baseball fachsimpelt.

Ihre Nachnamen kennen wir nicht, und sie nennen uns, von einigen alten Damen abgesehen, ebenfalls beim Vornamen. Mir kann es recht sein, denn die selbstverständliche Anrede übertönt aufkommende Verlegenheit.