Hans-Jürgen Wischnewski: mehr am Wie als am Warum und Wozu interessiert

Von Carl-Christian Kaiser

Bonn Ende Juli

Im Gespräch war er als neuer Regierender Bürgermeister von Berlin, als künftiger nordrhein-westfälischer Ministerpräsident, davor schon als Außenkommissar der Europäischen Gemeinschaft. Gewesen ist er bereits Entwicklungshilfe-Minister, Bundesgeschäftsführer der SPD und Staatsminister im Auswärtigen Amt. Jetzt handelt ihn die Bonner Gerüchteküche als neuen stellvertretenden SPD-Vorsitzenden und, auf längere Sicht, vielleicht als Vormann der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion: Hans-Jürgen Wischnewski, derzeit noch Staatsminister beim Bundeskanzler, ist offenkundig ein Mann für fast alle Gelegenheiten.

Die Dauernotierung an der politischen Börse kommentiert er als Profi: Es sei ja besser, für vieles genannt zu werden, als in Vergessenheit zu geraten. Andererseits könne dies auch Schattenseiten haben: Wer für zu vieles und zu verschiedene Ämter immer wieder genannt werde, der gerate leicht in den Ruch des Unseriösen. Aber das stimmt – ein bißchen verständliche Koketterie beiseite gelassen – nun nicht. Denn welche Ämter und Aufgaben Hans-Jürgen Wischnewski bisher auch versehen hat, nirgends wäre man hinterher auf den Gedanken gekommen, er habe dort enttäuscht oder gar versagt. Vielmehr gilt, daß gerade seine seriöse Vielseitigkeit ihn für immer neue Posten in Frage kommen läßt.

Vertrauen des Kanzlers

Meistens stand er bisher im zweiten Glied, aber gleich hinter den Spitzenleuten – keiner, von dem die großen Entwürfe stammen, doch einer, auf den man bauen kann, wenn es um die Ausführung dieser Entwürfe geht. Und als Exekutor ist er ja auch in Aussicht genommen, wenn er, in der Nachfolge Hans Koschnicks, auf den Platz des Parteivize gestellt wird: Da wäre er nicht etwa der Kronprinz Willy Brandts (diese Nachfolgefrage soll erst später angegangen werden), sondern derjenige, der den sozialdemokratischen Aufmarsch für die Wahlschlacht von 1980 zu organisieren hätte, für die große Bataille zwischen Helmut Schmidt und Franz Josef Strauß. Von ihm wird die gleiche Arbeit wie schon 1969 erwartet, als er, damals Parteigeschäftsführer, dazu beitrug, daß der Machtwechsel zugunsten der sozial-liberalen Koalition klappte.