Weniger Aufträge für Neuwagen und Rückgang der Gebrauchtwagenpreise sind erste Anzeichen für den Beginn eines Abschwungs

Von Richard Gaul

Zunächst gilt es, das richtige Wort zu finden: Denn „Energiekrise“ wird in der deutschen Autoindustrie nicht gern gehört. „Was wir gegenwärtig vorfinden, nenne ich eine Turbulenz, man sollte nicht von einer Krise sprechen“, meint Daimler-Benz-Chef Joachim Zahn; und Eberhard von Kuenheim, Vorstandsvorsitzender von BMW, möchte allenfalls „Energiediskussion“ sagen, wenn über steigende Benzinpreise geredet wird.

Ende 1973, als die Ölversorgung schon einmal gefährdet schien und die Käufer ausblieben, konnte solches Spiel mit Worten nicht verhindern, daß die Autoindustrie in die schwerste Krise ihrer Nachkriegsgeschichte geriet. Binnen eines Jahres schrumpfte die Produktion um über 800 000 Autos auf nur noch 2,8 Millionen Einheiten. Die Autohersteller hatten Ende 1974 über 30 000 Beschäftigte weniger, als ein Jahr zuvor.

Die Diskussion um das Öl zeigt auch jetzt schon dort Wirkung, wo lange Schlangen vor den Tankstellen von Knappheit künden: Die amerikanische Autoindustrie hat in den letzten Wochen über 40 000 Beschäftigte auf die Straße gesetzt, weil die Kunden große, spritfressende Straßenkreuzer verschmähen. Droht auch der Bundesrepublik eine neue Autokrise?

Die Antwort aus den Vorstandsetagen der Hersteller klingt beruhigend: Einhellig wird auf volle Auftragsbücher verwiesen, die über Monate hinweg die Beschäftigung sichern. Die Deutsche Bank sagt deshalb für das laufende Jahr eine nochmals um zwei bis drei Prozent gestiegene Produktion von etwa 4,3 Millionen Personenwagen und Nutzfahrzeugen voraus. Die Autobranche rechnet mit rund 2,7 Millionen Neuzulassungen im Inland, das wären geringfügig mehr als im ohnehin glänzenden Jahr 1978.

Die schönen Zahlen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch in der Bundesrepublik erste Warnzeichen ein Ende des Autoaufschwungs ankündigen. Im Juni sackten die Neuzulassungen von Personenwagen erstmals in diesem Jahr von über zehn Prozent unter die vergleichbaren Vorjahreszahlen. Neue Aufträge kommen seit Monaten spärlicher. In der vorsichtigen Sprache des Verbandes der Automobilindustrie liest sich das dann so: „Die inländische Nachfrage hat sich weiter normalisiert.“ Autohändler sind da deutlicher: Mehr als fünfzehn Prozent weniger Bestellungen melden sie für den Juni. Für Ford „Anlaß zur Besorgnis, wenn die Entwicklung so weitergeht“.