Wohnungsbauminister Dieter Haack will notfalls mit dem Knüppel des Gesetzes nachhelfen, um zu erreichen, was die von Ölverknappung und Ölverteuerung geprägte Stunde nun endlich gebietet – Sparen.

Um den Energieverbrauch der privaten Haushalte zu senken, hält Wohnungsbauminister Haack eine Reihevon Plänen für energiesparende Maßnahmen bereit: den Einbau von Doppel- oder gar Dreifach-Fenstern in den 24 Millionen deutschen Wohnungen, noch striktere Wärmedämmung von Dächern, Kellerdecken, Außenwänden und Heizkörpernischen und schließlich Geräte, mit deren Hilfe der Energieverbrauch nicht mehr wie bisher – pauschal nach der Wohnungsgröße – sondern nach dem tatsächlichen Verbrauch gemessen und bezahlt wird.

Daß Haack mit dem Gedanken spielt, Sparmaßnahmen in den Haushalten notfalls auch zwangsweise durchzusetzen, hat gute Gründe: 45 Prozent der Primärenergie in der Bundesrepublik wird von den Haushalten und Kleinverbrauchern verkonsumiert. Allein 85 Prozent entfällt dabei auf den Wärmeverbrauch für Raumheizungen.

Das Sparpotential ist beachtlich. So hat das Wohnungsbauministerium unlängst errechnen lassen, mit welchen gezielten Maßnahmen wieviel Energieverbrauch eingespart werden könnte. Energiesparende Heizanlagen, wie etwa die Umstellung auf andere Heizsysteme, bessere Regeltechniken und die individuelle Heizkostenabrechnung könnten den Wärmeverbrauch um 15 Prozent senken. In einer Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft Heizkostenverteilung e. V. wurde das Ergebnis der Heizkostenabrechnung nach dem individuellen Verbrauch sogar noch günstiger bewertet Danach könnte allein diese Maßnahme den Heizenergieverbrauch um durchschnittlich zwanzig Prozent gegenüber Vergleichsobjekten mit pauschaler Heizkostenabrechnung senken.

Würden überdies drastische Wärmedämmungsmaßnahmen durchgesetzt, so erhöht sich das gesamte Einsparungspotential nach Berechnungen des Wohnungsbauministeriums auf insgesamt 45 Prozent des Energieverbrauchs für Raumheizungen von Wohnungen im Jahre 1974. In einer Stellungnahme für die Bundesregierung heißt es: „Es erscheint realistisch, in einem überschaubaren Zeitraum bis 1985 (1987) etwa die Hälfte der theoretischen Einsparungsquote, das heißt rund 20 Prozent, auszuschöpfen.“

Bei ihren Untersuchungen konnten sich die Sparkommissare des Wohnungsbauministers an Ergebnissen einer sogenannten Superdämmung nach skandinavischem Muster orientieren. Diese Superdämmung käme vor allem bei Neubauten in Frage. Bei einer jährlichen Neubaurate von 400 000 Wohnungen wären an sich für den Wärmeverbrauch dieser Wohnungen im Jahre 1990 rund elf Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten erforderlich, so die Wärmeschutzauflagen nach den geltenden Bestimmungen eingehalten werden, Würden diese Neubauwohnungen aber mit der Superdämmung nach skandinavischem Vorbild ausgestattet, brauchten 1990 nur etwa 6,6 Millionen Steinkohleeinheiten verfeuert zu werden,

Angesichts solcher Sparmöglichkeiten ist es eher verwunderlich, daß die privaten Bauherren nicht längst von sich aus dazu übergegangen sind, ihre Bauten mit einem optimalen Wärmeschutz auszustatten. Doch die meisten Vermieter interessiert nicht, ob ihre Mieter viel oder wenig Geld für die Raumheizung ausgeben. Überdies scheuen sie die notwendigen Investitionen, weil sie die Kosten nämlich nicht in voller Höhe auf die Mieter umlegen können.