Von Gerhard Seehase

Nein, einem Fußballtrainer der Bundesliga würde er sich nicht unterordnen. „Die halten den Daumen ’drauf“, sagt er, „und verlangen, daß man um zehn Uhr abends im Bett liegt. Was aber soll ich um zehn Uhr im Bett, wenn ich zu dieser Zeit sowieso nicht einschlafen kann.“

Harald Schmid, Europameister über 400-m-Hürden und Mitglied der deutschen 4mal 400-m-Staffel, die im vergangenen Jahr in Prag ebenfalls den Europatitel gewann, mag sich nicht „unter einen Leistungsdruck setzen lassen, der von außen befohlen wird“.

„Wenn ich laufen muß, ohne daß es mir Spaß macht“, sagt er, „dann kann ich genausogut aufhören, weil ich in diesem Augenblick keine Leistungen mehr bringen würde.“

Hasselroth, ein kleines Dorf bei Frankfurt. Ein hübsches kleines Haus, etwas zurückversetzt an der Ecke der Hauptstraße; ein Auto vor der Treppe, die zur Haustür führt; ein sonnengebräunter junger Mann, der nach dem Klingelzeichen sofort die Tür öffnet.

Auf dem Tisch in der Wohnstube („mein Vater hatte gestern Geburtstag“) warten Kuchenberge auf den Gast; die Eltern kommen hinzu und nach einer geraumen Zeit auch der jüngere Bruder Frank, der ebenfalls beim TV Gelnhausen – das Dorf Hasselroth ist etwa zehn Kilometer von Gelnhausen entfernt – Leichtathletik betreibt. „Ich fahre mit dem Bus zum Training“, sagt er, „denn Harald ist ja meistens nicht da.“

Als das Telephon läutet, steht Harald Schmid auf („kann ja nur für mich sein“) und geht nach draußen. „Er mag es nicht“, sagt der Vater, „wenn wir bei einem Wettkampf als Zuschauer dabei sind.“ – „Wir sagen nie“, sagt die Mutter, „du mußt gewinnen, aber wir freuen uns natürlich, wenn er gewinnt. Andernfalls ist es auch nicht schlimm, und wir sprechen nicht darüber.“