Alphonse Boudards „Helden auf gut Glück“

Von Edwin Ortmann

Auf den ersten Blick liest sich diese Biographie wie ein Lore-Roman: Alphonse Boudard, 1925 in Paris geboren, wächst bei Pflege-Eltern auf dem Lande auf. Mit sieben Jahren kommt er zu seiner Großmutter nach Paris. Mit 18 geht er zur Résistance. Was wird aus diesem Jungen? Ein Schriftsteller, der auch noch Erfolg hat (Prix Sainte Beuve; Prix Renaudot).

Aber es gibt auch andere Lebensdaten dieses Alphonse Boudard: Der Achtzehnjährige stößt zur Résistance, macht 1944 bei der Befreiung von Paris mit und zieht danach an die elsässische Front. 1948 sitzt er im Kittchen: Er hat geglaubt, was im Krieg recht sei, sei im Frieden billig. Zwei Jahre für einen Einbruchdiebstahl. 1952 bis 1955 absolviert er einen Teil seiner Lungentuberkulose. 1958 bis 1962: wieder Knast. Danach noch einmal Krankenhaus (Lungenflügel wegoperiert).

Daß er davor schon, im Gefängnis, zu schreiben begonnen hat, ist ein eher gewöhnlicher Zug, das hat es öfter gegeben. „Der Krieg, der Knast, das Krankenhaus“, sagt Boudard im Interview, „das sind meine Universitäten gewesen.“ Sonstiges Bildungsgepäck? Volksschulabschluß, eine abgebrochene Setzerlehre.

Diese drei Welten (Krieg, Knast, Krankenhaus) haben eines gemeinsam: Es sind geschlossene Systeme, in denen der Mensch sich nackt zeigen muß, in denen Opfer und Henker unerbittlich aufeinander bezogen sind. Es gibt kein Entrinnen, und „es sind zwei Dinge allgegenwärtig: der Tod und die Einsamkeit. Alles andere sind Träumereien mit dem Wunsch, sich über diese unerbittlichen Wahrheiten hinwegzutäuschen.“

Vom Krieg also handelt Alphonse Boudards Roman –