Einige Reiseveranstalter bieten neuerdings verstärkt Pauschalprogramme ihr Kinder an, die ohne Eltern in Ferien fahren wollen – oder sollen. Schon Dreijährige werden bei diesem kommerziellen Reiseservice angenommen. Kinderärzte und Pädagogen beurteilen diese Art Kinder-Tourismus freilich eher skeptisch.

Das Alter läßt keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Reisefähigkeit der Kinder zu. Manche selbstbewußten Drei- und Vierjährigen überstehen den Abschied von den Eltern bisweilen schon ohne größeren Trennungsschmerz. Empfindsamere Kinder hingegen können noch im Alter von acht oder zehn Jahren wochenlang unter Heimweh leiden, das schließlich sogar zu psychosomatischen Erkrankungen führen kann. Die Fähigkeit, die ungewohnte Fremde zu bewältigen, ist individuell verschieden.

Unsichere Eltern ziehen am besten den Kinderarzt, die Kindergärtnerin oder Lehrerin zu Rate und testen die Reisefähigkeit ihrer Jüngsten mit „Probe“ Wochenenden bei Nachbarn und Verwandten. Erste Anzeichen für „touristische Selbständigkeit“ sind Bitten eines Kindes, bei einem Freund oder im Gartenzelt übernachten zu dürfen.

Haben sich Eltern entschlossen, ihre Zöglinge auf die Reise zu schicken, sollten sie die Kinder in Gesprächen und Spielen darauf vorbereiten: auf den Ferienort, den Alltagsrhythmus in einem Kinderheim oder einer Ferienpension (wie zum Beispiel die vorgeschriebene Bettruhe nach dem Mittagessen) oder auf den möglicherweise ungewohnten Speisezettel.

Auf der anderen Seite brauchen die Betreuer vor Ort genaue Informationen über ihre Ferienschützlinge. Erfahrene Kinderreiseveranstalter arrangieren lange vor dem Abfahrtstag Kontaktgespräche zwischen den Eltern und den pädagogisch geschulten Fachkräften.

Ältere können sorgloser in die Ferne geschickt werden. Kinderpsychologen schätzen, daß generell etwa vom zehnten, elften, spätestens zwölften Lebensjahr an eine kurzfristige Trennung von den Eltern während der Ferien sogar recht heilsam sein kann. Das Zusammenleben mit Gleichaltrigen in neuer Umgebung fordert die Erlebnisfähigkeit und damit die persönliche Entwicklung.

Seriöse Reiseveranstalter halten es für selbstverständlich, die Eltern ihrer kleinen Reisegäste vorab bis ins Detail zu informieren. Sie bitten aber mit gutem Grund darum, während der Urlaubszeit von Besuchen am Kinderferienort abzuseilen. Denn eine Stippvisite der Mutter kann gerade überwundenes Heimweh von neuem wecken – und bringt unnötige Unruhe in die Urlaubsgruppe.