Sechs Monate lang hielt sich Shahpur Bachtiar, der letzte Regierungschef des Schah, verborgen. Jetzt meldete er sich in Paris zu Wort, ohne allerdings seine politischen Pläne zu präzisieren.

Braungebrannt, lächelnd und von Leibwächtern umgeben, stellte sich Bachtiar in einem Pariser Hotel der Presse. Der von einem iranischen Revolutionsgericht im Mai zum Tode verurteilte Politiker, der vor einigen Monaten die Abdankung des Schah erzwungen hatte, verweigerte jede Auskunft darüber, wo er sich vor den, Häschern der neuen Herren des Iran versteckt gehalten hatte.

Bachtiar, der (wie vor ihm Ajatollah Chomeini) drei Monate als Tourist in Frankreich bleiben darf, glaubt noch immer daran, viele Freunde im Iran zu haben. Vor allem für die Armee fand er anerkennende Worte, in ihr sieht er den einzigen noch intakten Ordnungsfaktor im gegenwärtigen Chaos. Bachtiar: „Die Revolution hat sich in ein einziges Durcheinander verwandelt, und das Durcheinander hält an.“ Er selbst habe geglaubt, daß sich nach dem Rücktritt des Schah die Agitation in den Straßen des Landes legen werde. Doch „anders als Hitler, Lenin, Castro oder Nasser weiß Chomeini nicht, was er will.“

Die Herrschaft der religiösen Hierarchie im Iran bezeichnete Bachtiar als ein großes Mißverständnis zwischen Ajatollah Chomeini und den Massen. Er sei Mohammedaner, aber zuerst Bürger des Iran. Die Mullahs gehörten in die Moschee, nicht in die Regierung. Sie hätten in sechs Monaten mehr Schaden angerichtet als „25 Jahre Diebstahl und Verschwendung unter der Monarchie“.

Bachtiar will indes weder eine Exilregierung gründen, noch sich einer Oppositionspartei anschließen. Statt dessen verglich er seine Rolle mit der Charles de Gaulles, der vom Ausland versucht habe, sein besetztes Land zu befreien. Schließlich sei auch der Iran von Kräften besetzt, die „vom Ausland inspiriert sind“. Offensichtlich setzt Bachtiar auf die interne Opposition einiger laizistischer Gruppen und möglicherweise der Armee, denen er sich (wenn auch nur indirekt) als Mann der Ordnung und der Besonnenheit empfahl. Er scheint die Hoffnung nicht aufzugeben, daß eines Tages im Iran der Ruf nach seiner Rückkehr laut wird.

Vorerst allerdings muß Bachtiar um sein Leben bangen. Auf die Frage, ob die Regierung in Teheran eine Prämie auf seinen Kopf ausgesetzt habe, antwortete der Ex-Premier zwar lakonisch: „Es gibt keine Regierung.“ Doch nach seiner Pressekonferenz beeilte er sich, schnell im Pariser Verkehrsgewühl unterzutauchen – mit unbekanntem Ziel.

Klaus-Peter Schmid (Paris)