Die deutschen Investmentfonds sind gut bei Kasse. Weil die Mehrzahl ihrer Manager noch nicht mit einer durchgreifenden Besserung am Aktienmarkt rechnet, halten die Aktienfonds einen hohen Prozentsatz ihrer Mittel entweder als Festgeld oder haben sie in festverzinslichen Papieren investiert. Der Deutsche Investment-Trust Gesellschaft für Wertpapieranlagen (DIT) verfügt allein über eine Liquiditätsreserve von 1,4 Milliarden Mark.

Die meisten deutschen Aktienfonds haben im ersten Halbjahr 1979 ihre Bestände verringert und damit Teile der ihnen anvertrauten Vermögen vor Kursverlusten bewahrt. Und nicht nur das! Die freigewordenen Gelder sind verzinslich angelegt worden. Sie trugen zum Jahresergebnis positiv bei. Beim DIT verzinsen sich die „Reserven“ mit rund 7,5 Prozent. Dieses Satz macht es für die Fonds-Manager so schwer, den Rückweg zu den Aktien zu finden. „Bei ihnen müßten die Chancen schon 15 bis 20 Prozent betragen“, meinte DIT-Geschäftsführer Jürgen E. Last. Aktien mit derartigen Kursreserven sind aber an der deutschen Börse zur Zeit dünn gesät.

Da die Bildung dieser Liquiditätsreserven überwiegend durch Abbau der Aktienportefeuilles geschah, ergibt sich die Frage, inwieweit die Fonds selbst mit ihren Verkäufen zum Niedergang der deutschen Aktienkurse im ersten Halbjahr beigetragen haben. Tatsächlich sind die auf den deutschen Aktienmärkten operierenden Fonds in ihrer Bewegungsfreiheit durch die vergleichsweise engen Märkte stark beschränkt. Wenn alle Fonds die gleiche Politik verfolgen, kann das nicht ohne Einfluß auf die Kurse bleiben.

So lange die Fonds mit einem regelmäßigen Mittelaufkommen rechnen können, stellen sie Umschichtungen nicht vor schwierige Probleme. Durch Zukäufe dort, wo das künftige Schwergewicht liegen soll, läßt sich das Anlageziel mühelos erreichen.

Aber in dieser glücklichen Lage befinden sich die Aktienfonds nicht mehr. Der Zufluß neuer Mittel – wenn überhaupt einer stattfand – war alles andere als befriedigend. Daran hat auch die Körperschaftsteuerreform nichts geändert. Im Gegenteil – sie brachte den Aktienfonds zunächst einmal erhebliche Rückflüsse. Nicht nur von ausländischen Zertifikatsbesitzern, die mit der zur Ausschüttung gereichten Steuergutschrift nichts anfangen können, sondern auch von Inländern, die kein Interesse daran haben, diese Gutschriften bei ihrem Finanzamt vorzulegen und damit zu offenbaren, daß sie Investmentsparer sind. Die Fondsgesellschaften haben in diesem Zusammenhang einen Wechsel von Aktien- in Rentenfonds beobachtet, bei denen noch die volle Ausschüttung kassiert werden kann. Diese Bewegung, so meint man beim DIT, ist jetzt weitgehend abgeschlossen.

Neue Aktienfonds-Sparer sind nur unter großen Schwierigkeiten zu gewinnen, wie überhaupt die Aktie als Anlageinstrument durch die Körperschaftsteuerreform in den breiten Sparerschichten keineswegs an Popularität gewonnen hat. Im Gegensatz dazu haben die institutionellen Anleger – darunter auch einige Versicherungen – die Vorzüge der Reform voll erkannt und ihre Aktienbestände angereichert. Das ist auch der Grund, warum die sogenannten Privatfonds, die nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind und deren Anlagepolitik auf die Interessen einer Anlegergruppe zugeschnitten ist, in letzter Zeit erfolgreicher gewirtschaftet haben als die Publikumsfonds.

Mit einem Minus von 5,7 Prozent sind die Concentra-Anleger im ersten Halbjahr 1979 noch mit einem blauen Auge davongekommen. Der amtliche Aktienindex weist ein Minus von 8,7 Prozent aus. Beim Unifonds der Union Investment GmbH betrug das Minus sogar nur 3,5 Prozent. Gut gearbeitet haben die DIT-Manager bei ihrem Fonds Translanta, bei dem sie ein Plus von 11,4 Prozent je Anteil erreichten. Hier war das Fondsvermögen zeitweilig voll in amerikanischen Aktien angelegt, gelegentlich erreichte die Liquiditätsreserve aber auch die zulässige Grenze von 50 Prozent. Im Energiebereich sind die Aktienbestände fast verdreifacht worden. In Erwartung rückläufiger Zinsen wurden die Anlage auf dem Finanzsektor verstärkt. Dagegen wurden Gewinne dort realisiert, wo die Unternehmenserträge durch eine Abschwächung der Konjunktur, besonders der Verbrauchernachfrage, in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.