Seit zwei Wochen bemüht sich die neue Regierung in Managua, das überaus traurige Erbe des geflohenen Diktators Somoza zu verwalten. Nicaragua war schon vor dem Bürgerkrieg ein armes Land, nach den schweren Kämpfen ist es heute ein Trümmerfeld, das keine Devisen, aber hohe Schulden besitzt; Arbeitswillige, aber keine Arbeitsplätze hat; Hungernde, Kranke und Heimatlose versorgen muß. Es fehlt ziemlich an allem – nur nicht an Hoffnungen der Nicas, die von dem Sturz des Familienclans Somoza auch mehr Wohlstand und soziale Sicherheit erwartet haben. Angesichts solcher berechtigten Ansprüche ist verständlich, wenn die Junta alle Welt um schnelle, umfassende Hilfe bittet.

Sie muß gewährt werden, nicht nur aus humanitären Gründen. Schon jetzt ist der Satz zu hören: „Die Revolte (gegen Somoza) ist beendet; laßt uns mit der Revolution beginnen.“ Noch hält der Konsens zwischen den ideologisch so unterschiedlichen Gruppen, die sich zum Sturz einer unerträglich gewordenen Herrschaft zusammengefunden haben und nicht die rechte Unfreiheit gegen eine linke eintauschen wollen. Aber die Not kennt ihre eigenen Gebote, Verzweiflung schafft Radikalität, (die für manche marxistischen Gruppen Wasser auf die eigenen Mühlen sein mögen), und alle Regierungen, die jetzt ob der noch unbewiesenen demokratischen Salonfähigkeit der neuen Männer zaudern mögen, vergessen zu ihrem und zu Nicaraguas Schaden, daß sofort geholfen werden muß. Versprechen machen nicht satt.’

Und wenn die Unterstützung tatsächlich rasch fließt, sollte der nordamerikanische Agrarexperte mit dem kubanischen Arzt und Lehrer Seite an Seite zusammenarbeiten. Ein Land auf einer Entwicklungsstufe nahe Null taugt nicht zum weltpolitischen Tauziehen; und wer sich von dieser Idee nicht trennen kann, sollte die Schuld der „freien Welt“ bedenken, die im Namen des Antikommunismus einen Mann gehalten hat, der nur zum Preis einer Zerstörung des Landes vertrieben werden konnte.

Kuba hat in diesem nicaraguanischen Bürgerkrieg eine Zurückhaltung bewiesen, die zumindest mit dem Versuch honoriert werden sollte, die Zuckerinsel in die Verantwortung für den Wiederaufbau einzubinden. Wenn denn schon ein Wettkampf der Systeme unvermeidlich ist – warum nicht zum Wohle und vor den Augen einer Bevölkerung, die ja später einmal ohnehin in freien Wahlen sich entscheiden soll? Daß die Junta außenpolitisch für den dritten Weg der Blockfreiheit optiert, ist für den Westen eine Chance, zwar mit hohen Kosten verbunden, aber immerhin eine Chance. H.B.