Engagement

Wieder ein Buch aus dem Optimismus-Dorado USA, das nichts vermitteln mag als das bedrückende Ausgeliefertsein an die (kriminellen) Verhältnisse (wie Millers „Kalte Welt“). Robert Cormier kann auch in seinem zweiten bei uns übersetzten Buch (nach „Der Schokoladenkrieg“) dem Leser die Enttäuschung nicht ersparen, daß die Hoffnung weckenden Aktivitäten des jungen Helden nur das Zappeln an den Fäden finsterer (Mafia-)Mächte sind. An Hand von psychoanalytischen Protokollen, die wahrscheinlich amerikanischen Lesern selbstverständlicher zugänglich sind, wird das Leben eines 14-jährigen Jungen aufgerollt, der durch ein Schockerlebnis seine Erinnerung und damit seine Identität verloren hat. So faszinierend wie beunruhigend legt Cormier das unsichtbare Netz frei, das über die Familie Farmer geworfen wurde und ihnen die Luft abdrückt. Aber anders als im Krimi gibt es hier keinen, der es am Ende zerreißt. Läßt das die US-Realität nicht mehr zu?

Robert Cormier: „Ich bin das, was übrigbleibt“, aus dem Amerikanischen v. Hans Georg Noack; Otto Maier Verlag, Ravensburg; 165 S., 16,80 DM.

Talmi

„Isolde Knallbiß war machthungrig und ziemlich bösartig, sie war so gefühlvoll wie ein Müllschlucker.“ Wo die Buhmänner solche Namen und Eigenschaften angehängt bekommen, da hat die Realität Ferien. Das meinte die Autorin natürlich nicht, als sie ihr Buch dem ominösen Genre „Feriengeschichte“ zuordnete. Wahrscheinlich wollte der Verlag einfach signalisieren, daß sich die Lesefutter-Suchenden hier auf ein Abenteuer nach Art der „5 Freunde“ freuen sollten. Aber weil wir ja in aufgeklärten (Jugendbuch-)Zeiten leben, wird der „vergrabene Schatz“ hier durch ein paar Baudenkmäler ersetzt, die eine Gruppe aufgeweckter Gören vor dem Baggerzahn der Knallbiß bewahren. In einem ärgerlichen Schnodderton („olle Senftomate“) wird das ziemlich unglaubwürdige Ferienengagement synthetischer Buchkinder zum Happy-End geführt. Motto: Man braucht nur ein paar Transparente zu malen, und schon fallen die kinderfreundlichen Stadtsanierer im Privatflugzeug vom Himmel.

Hannelore Krollpfeiffer: „TTF gegen Knallbiß“; Verlag Jugend und Volk, München; 151 S., 16, – DM.

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