Hannover

Bei der Veteranen-Weltmeisterschaft der Leichtathleten in Hannover, die jetzt zu Ende ging, zeigten 70- und 80jährige, was sie noch in den Beinen haben. Die Besten haben immer noch Ehrgeiz. Auf „Opa“-Rufe reagierten sie mit Tempoverschärfung. Und beim Zwischenruf „Alterchen“ drohte trainierenden Langstrecklern, die halb so viele Jahre aufzuweisen hatten, beim Training am hannoverschen Maschsie ein diskriminierender Zwischenspurt. Vorbei und verlacht... von laufenden Methusalems.

Insgesamt 3300 ältere Herrschaften aus 40 Ländern waren gekommen. Hannover ist eine Messe und einen Weltmeistertitel wert, Die sogenannte Veteranen-WM, besser Wettkampf genannt, war zum erstenmal in Toronto veranstaltet worden, das zweite Mal in Göteborg. Die niedersächsiche Landeshauptstadt war die dritte Station.

Alterssportler lassen sich schwer auf einen Nenner bringen. Viele beginnen erst, wenn sie für Fußball zu alt sind und wenn sie die Mittelstürmerprobleme der Lokalmannschaft gelöst haben – und sich dennoch zu jung fühlen, um sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Gesundheitssportler können ohne den Blick auf die Stoppuhr nicht mehr leben. Auch viele Stars bringen es einfach nicht über sich, ins Privatleben abgeschoben zu werden. Olympiasieger und Weltrekordler mögen nicht abstoppen; sie laufen einfach weiter.

In Hannover hatte Gaston Roelants gemeldet, der belgische Olympiasieger von 1964 über 3000 Meter Hindernis. Erich Kruzycki, der Sieger des traditionellen Silvesterlaufs in São Paulo von 1959 war am Start. Seit zwei Jahrzehnten unbesiegt, legte der 68jährige die 10 000 Meter in 38:11,9 Minuten zurück. Bewundernswert der Stil des 60jährigen australischen Arztes John Gilmour, der knapp über der 35-Minuten-Grenze auf der gleichen Distanz blieb.

Das Niedersachsenstadion erlebte den Rollentausch der Generationen. 70jährige sprinteten und Siebenjährige schauten zu. Die Großväter, meistens mit beneidenswerter Pensionärsbräune, waren mit Kindern und Enkeln sogar aus Obersee angereist, eine Tatsache, die um so bemerkenswerter war, als die Teilnehmer ihre Auslagen selbst trugen.

Der Sportpark in Hannover war von der Jogging-Mode geprägt. Die Veteranen trugen ihren Trainingsanzug wie Diplomaten ihren Frack. Bei den Frauen war niemand unter 35 zugelassen, bei den Männern durfte keiner unter 40 antreten.