Nach der Spartakiade; Gut vorbereitet für Olympia 1980

Moskau

Eine Generalprobe für das olympische Spektakel im nächsten Jahr sei die Spartakiade auf keinen Fall; er könne das Wort „dress Rehearsal“ nicht mehr hören, sagte der Mann im Organisationskomitee. Man habe es in diesem Juli 1979 mit der VII. Völkerspartakiade zu tun, und ein solches Ereignis sei zu bedeutsam, um als Probelauf für die Olympischen Spiele verschlissen zu werden. „Außerdem sind wir mit unseren Vorbereitungen noch längst nicht fertig, wie Sie sehen können.“

Das ist wahr. Es bleibt noch eine Menge zu tun, um die 22 olympischen Sportstätten in den Zustand zu bringen, der den stets steigenden Ansprüchen der internationalen Sportelite genügt. Aber 16 der 22 Arenen sind inzwischen in Betrieb genommen und an den übrigen wird fleißig gebaut.

Die Organisatoren der Spiele in München und Montreal hätten um einiges ruhiger geschlafen, wenn ihre Arbeiten im vorolympischen Jahr auf dem Stand gewesen wären, den die Moskauer zur Zeit erreicht haben. Es muß niemand mit der bangen Ungewißheit auf die Reise gehen, die so viele Athleten bis zur Ankunft in Kanada begleitete. Für die Mannschaften wird die Olympiastadt Moskau gerüstet sein; das Planziel „Gastfreundschaft“ ist in Sicht. Im Lenin-Stadion lief das Programm der Leichtathleten ab wie im olympischen Jahr, ohne gravierende Pannen, mit exakter Zeit- und Weitenmessung auf den Anzeigentafeln wie auch auf den Bildschirmen.

Auch von den Turnern, den Boxern, den Ringern und den Ruderern kamen keine Klagen; nur ein paar Fünfkämpfer waren nicht zufrieden, weil beim Fechten der Zeitplan hoffnungslos durcheinander geriet und weil die Athleten sich den Weg zum Start des Geländelaufs selber suchen mußten – der Busfahrer kannte ihn nicht.

Bestnoten erhielt das olympische Dorf, jener Teil, der schon jetzt zur Besichtigung freigegeben ist: komfortable Zimmer, ansehnliche Möbel, überlange Betten, und das alles nur fünfzehn Autominuten vom Lenin-Stadion entfernt.