Cyril Northcote Parkinson wurde weltberühmt durch die Entdeckung von „Parkinsons Gesetz“. Vor ein paar Tagen, am 30. Juli, feierte er seinen 70. Geburtstag. Das gibt Anlaß, an sein epochemachendes Werk zu erinnern und sich von ihm zu eigenen Oberlegungen, vielleicht sogar: zu Entdeckungen anregen zu lassen.

Parkinsons Forschungsfeld ist die Bürokratie. Zwar liegt die Vermutung nahe, daß der eigene Name den Gelehrten angeregt hat: die „Parkinsonsche Krankheit“, bei der die Muskeln erstarren und die Glieder zittern. Man spricht auch von Schüttellähmung – ein beziehungsreiches Bild! Tatsächlich aber kam, ähnlich wie Darwin bei seiner Reise zu den Galapagos-Inseln, dem Entdeckergeist die Marine zur Hilfe. Denn bevor er seine wissenschaftliche Karriere begann, war Professor Parkinson Zivilangestellter der britischen Admiralität.

Marinebürokratie? Allerdings: Parkinson stellte fest, daß der Verwaltungsapparat der Admiralität ständig wuchs, während die Zahl der Schiffe und der Seeleute abnahm. 1914 gab es 62 Großkampfschiffe 1928 waren es nur noch 20. Gleichzeitig sank die Zahl der Seeleute von 146 000 auf 100 000. Die Marinebürokraten jedoch vermehrten sich von 2000 auf 3569.

Ein Vierteljahrhundert später, 1954, waren es dann schon fast 34 000, während die Schiffe und die Männer im Einsatz allmählich Seltenheitswert erlangten. Einmal auf die Spur gekommen, fand Parkinson überall ähnliches, etwa die seltsame Tatsache, daß im Kolonialamt zwischen 1939 und 1957 aus 450 fast 2000 Staatsdiener wurden – in eben der Zeit, in der das britische Weltreich sich auflöste.

Natürlich fallen uns dazu deutsche Fragen ein. Zum Beispiel: Hat man nicht gehört, daß die Kommunal- und Gebietsreformen Einsparungen bei der Verwaltung erbringen sollten? Und was ist daraus geworden? Oder wie entwickelt sich das Verhältnis von Programmachern und Verwaltern bei den Rundfunk- und Fernsehanstalten? Insgesamt gingen in der Bundesrepublik zwischen 1970 und 1978 rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze verloren, in den Produktionsbereichen von Bauhandwerk, Landwirtschaft und Industrie sogar fast 2,5 Millionen. Doch in der gleichen-Zeit Vermehrten sich die Beamten um 300 000 und die Angestellten um 800 000. Durch komplizierte Berechnungen hat nun Parkinson, schon in den fünfziger Jahren, die allgemeingültige Formel gefunden; sie zeigt, daß bei nur geringen Pendelausschlägen im Jahresdurchschnitt die Bürokratie um 5,5 bis 6 Prozent wächst.

Warum ist das so? Ist es zwangsläufig? Gefühl und Verstand mögen sich sträuben: Wenn man an die Beispiele von der Marine und vom Kolonialamt denkt, dann muß man eigentlich unterstellen, daß die Bürokratie ganz unabhängig von ihren Aufgaben und vom Arbeitsanfall wächst. Und genau das ist der Punkt! Parkinson zeigt, daß es völlig falsch ist, vom Wachstum der Bürokratie auf das Wachstum der Aufgaben zu schließen. Eines ist vom anderen schlechthin unabhängig.

Das gesunde Volksempfinden hat daraus die Fangfrage gemacht: „Was ist der Unterschied zwischen einem Beamten und einem Stück Holz?“ – „Holz arbeitet...“. Doch wie so oft, führt auch hier das gesunde Volksempfinden ins krankhaft Abwegige. Die Annahme, daß viele Beamte sich auf Kosten des Steuerzahlers einen guten Tag machen, erweist sich als Vorurteil, als der Irrtum des ersten Augenscheins. Wollen wir den Vorurteilen entkommen, so müssen wir auf Professor Parkinson hören, der mit der Fackel seiner Erkenntnis uns heimleuchtet. Er hat die zwei Triebkräfte entdeckt, die die Vermehrung bewirken. Doch lassen wir ihn die Sache selbst erklären: