Hamburg

Seit dem 17. Juli dieses Jahres hat Ulrich H. Urlaub – genau gesagt: Mutterschaftsurlaub. Seine Tochter Hanna-Lena ist gerade zehn Wochen alt, und ihre Mutter, Gerda B., wird, nachdem die gesetzlich gewährte Schonfrist von acht Wochen nach der Geburt abgelaufen ist, und die großen Ferien vorbei sind, wieder in den Schuldienst zurückkehren. Sie ist Lehrerin für Französisch und Spanisch an der Hamburger Gesamtschule Steilshoop.

Das Paar Ulrich H. und Gerda B. hat gute Gründe, sich sein Familienleben so unkonventionell einzurichten: Mutter arbeitet, Vater kümmert sich um das Kind. "Durch Schwangerschaft, Geburt und Stillen bin ich besonders eng mit dem Kind verbunden, habe also eine Art Vorsprung vor dem Vater", sagt Gerda B. Deshalb müsse jetzt er die Chance haben, eine enge Beziehung zu seinem Kind zu entwickeln, indem er es pflegt und betreut.

Ulrich H., 34 Jahre alt, ist gelernter Volkswirt und unterrichtet an einer Hamburger Privatschule für Erwachsenenbildung. Er ist dort angestellt und verdient rund 1800 Mark netto. Gerda B. aber, 33 Jahre alt, soll demnächst Beamtin auf Lebenszeit werden und verdient obendrein monatlich etwa 1000 Mark mehr. Unterbräche sie ihre Lehrtätigkeit, müßte sie viel größere Nachteile in Kauf nehmen als ihr Freund Ulrich H.

Also meldete Ulrich H. sich für vier Monate Mutterschaftsurlaub bei seinem Arbeitgeber ab. Der war zwar anfangs etwas erstaunt, fand es aber dann schließlich in Ordnung und wird Ulrich H. für vier Monate den Arbeitsplatz freihalten. Das staatliche "Mutterschaftsurlaubsgeld" von 750 Mark monatlich allerdings wird Ulrich H. nicht bekommen. Ebensowenig ist für seine Sozial- und Krankenversicherung gesorgt.

Diesen Ausgleich für die viermonatige Unterbrechung der Berufstätigkeit nämlich haben die Bonner Politiker nur Müttern zugedacht, als sie zum 1. Juli dieses Jahres das "Gesetz zur Einführung eines Mutterschaftsurlaubs" in Kraft setzten, nicht den Vätern. Die sozial-liberale Koalition will damit garantieren, daß sich die Mutter "über die bisherige Mutterschutzfrist hinaus weiter erholen kann und sie von der Doppelbelastung durch ihre Pflichten als Arbeitnehmerin und Mutter wenigstens in der besonders wichtigen ersten Lebensphase ihres Kindes entlastet wird".

Eine halbherzige Reform, wie viele meinen, weil der Gesetzgeber sich offenbar an eingefahrenen Vorstellungen über die Aufgaben von Müttern und Vätern orientiert und damit möglicherweise gegen das Grundgesetz verstoßen hat, das die gleiche Behandlung von Männern und Frauen postuliert.