„Ich sehe einer Entwicklung mit großer Sorge entgegen, bei der die Gefahr besteht, daß das spielende Kind durch das glotzende Kind ersetzt wird.“

Franz Josef Strauß über Privatfernsehen in einem Bericht an den bayerischen Landtag

„Ich finde es bemerkenswert, daß zum Beispiel Strauß sagt: Es darf nicht alles gemacht werden, was machbar ist, denn wir wissen nicht, was wir damit anrichten ...“

Hans-Ulrich Klose über Privatfernsehen in der „Welt“ vom 30. 1979

Kino in der Tasche

Vor wenigen Jahren noch galten Filmbücher als Verlustgeschäft, doch inzwischen kann man sich vor deutschsprachigen Neuerscheinungen kaum noch retten. Im Zeichen des aktuellen Kinobooms engagieren sich auch die großen Taschenbuch-Verlage: Heyne hat sich 1979 eine „Filmbibliothek“ zugelegt, die aus überwiegend brauchbaren amerikanischen Star-Biographien besteht (Lizenzausgaben der New Yorker „Pyramid Illustrated History of the Movies“). Bisher erschienen unter anderem Bände über Humphrey Bogart, James Stewart, Liz Taylor und Jean Harlow. Fischer konkurriert mit der neuen Reihe „Cinema“, in der in den letzten Monaten Syberbergs Filmbuch und Hans Richters „Der Kampf um den Film“ herauskamen, Rowohlt betreut ab Herbst die Reihe „Grundlagen des populären Films“ aus dem Programm des kleinen, ehrgeizigen Roloff & Seeßlen-Verlages: nützliche Einführungen in Kinogenres wie Western, Science-fiction und Gangsterfilm. Aber nicht nur die Großverlage wittern ein gestiegenes Kinointeresse. Auch und besonders Außenseiter beleben den Markt: so die Münchner Kleinstverlegerin Monika Nüchtern, die mit „Kino 78“ die erste Folge eines wichtigen Jahrbuchs des deutschen Films herausbrachte (mit ausführlichen Inhaltsangaben und filmographischen Daten aller deutschen Filme des Jahres) sowie einen mit den Mitteln rüder Rock-Poesie geschriebenen „Marlon Brando“ von Jörg Fauser – eins der bizarrsten, persönlichsten Filmbücher der letzten Jahre. Die italienische Reihe „Contemporanea Cinema“ erscheint im Berliner Klaus Guhl Verlag. Bisher liegen Bände über Truffaut und die Brüder Taviani vor. Viel Konkurrenz also für den Hanser Verlag, der mit seiner „Reihe Film“ und den seit 1977 erscheinenden Jahrbüchern (im Herbst kommt das dritte) den Markt lange fast allein beherrschte.

Seyppel im Westen