Seit drei Jahren hat es das nicht mehr gegeben: Eine Preissteigerungsrate wie diesmal im Juli. Um rund 4,5 Prozent lagen die Lebenshaltungskosten in diesem Monat über dem Stand des Vorjahres. Die jüngsten starken Öl- und Benzinpreiserhöhungen und der seit dem 1. Juli geltende Mehrwertsteuersatz von dreizehn statt bisher zwölf Prozent werden als Gründe für den Sprung genannt. Im Juni hatte der Preisanstieg noch bei 3,9 Prozent gelegen.

Mit einer Steigerung der Verbraucherpreise auf fünf Prozent rechnet das Münchener ifo-Institut für Wirtschaftsforschung sogar noch im dritten Quartal dieses Jahres. Etwas hoffnungsvoller allerdings sehen die Forscher die weitere Entwicklung der Preise. Für 1980 prophezeien sie eine niedrigere Inflationsrate. Pessimistisch dagegen bewerten sie die Situation der Arbeitslosen im nächsten Jahr. In ihrer Analyse wird mit mehr als einer Million Arbeitslosen für 1980 gerechnet.

Unterstützt fühlen sich die Konjunkturforscher in ihrer pessimistischen Prognose durch die jüngsten Umfrageergebnisse bei deutschen Unternehmen. Das verarbeitende Gewerbe und der Handel haben sich danach bereits skeptischer über die Geschäftsaussichten der nächsten Monate geäußert als noch vor einigen Wochen. 45 Prozent der Firmen gaben zudem an, daß die Auftragsentwicklung durch Arbeitskräftemangel behindert würde.

Wenig zuversichtlich sehen die Wissenschaftler auch die Entwicklung des Wachstums. Das reale Sozialprodukt wird nach der ifo-Untersuchung 1980 nur noch um zwei bis 2,5 Prozent zunehmen. Eine deutliche Abschwächung also gegenüber diesem Jahr, für das die Steigerungsrate noch auf 3,5 bis vier Prozent geschätzt wird.

Die „Einkommensschere“ zwischen dem Verdienst von Männern und Frauen nimmt noch immer zu. Nach den neuesten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lag der durchschnittliche Brutto-Stundenverdienst in der Industrie für einen männlichen Arbeiter bei 13,15 Mark. Arbeiterinnen dagegen kamen nur auf 9,56 Mark. Ihre Löhne sind innerhalb eines Jahres um 5,8 Prozent gestiegen, die der Männer aber um 6,3 Prozent. Ähnlich verlief die Entwicklung auch bei den Angestellten. Während die Männer ein Durchschnittseinkommen von monatlich 3151 Mark nach Hause brachten, verdienten Frauen nur 2027 Mark. Seit Jahresbeginn erhöhten sich die Gehälter der männlichen Angestellten um 2,8 Prozent, die der Frauen um 2,1 Prozent.

Wegen gestiegener Treibstoffpreise werden, Flüge mit Linienmaschinen vom 1. September an voraussichtlich um neun bis 15 Prozent teurer. Darauf einigten sich nach vierzehntägigen Verhandlungen die Mitglieder des Internationalen Luftverkehrsverbandes IATA in Genf. Die neuen Tarifanhebungen der Fluggesellschaften – bereits im Mai hatte es Erhöhungen um fünf bis sieben Prozent gegeben müssen allerdings noch von den jeweiligen Regierungen genehmigt werden. ms