Wahrscheinlich verstehen die Parteischatzmeister selber im nachhinein nicht mehr, warum sie eigentlich vor das Verfassungsgericht gezogen waren, um ihre Kassen aufzubessern. Denn gegenüber den Geldwünschen der Parteien haben sich die Karlsruher Richter seit jeher recht abweisend gezeigt, und seit ihrem jüngsten Urteil gegen eine himmelstürmende Heraufsetzung der steuerlichen Spendenfreigrenzen ist der Weg in finanzielle Paradiese endgültig verbaut. Nun herrscht ziemlicher Katzenjammer.

Zwar hat der Segen der Europa-Wahlgelder die ärgsten Verlegenheiten vorübergehend behoben. Aber was da an Überschuß in den Parteischatullen zurückblieb, ist längst für den Bundestagswahlkampf 1980 – und die Stimmgänge in den Ländern davor – einkalkuliert. Nun können die Schatzmeister allenfalls daran gehen, die Steuerbefreiung für Spenden in den von Karlsruhe gesetzten „engen Grenzen“ etwas zu liften. Doch wo die Bundestagsfraktionen, die über eine entsprechende Gesetzesnovelle zu entscheiden haben, am Ende die Grenze ziehen werden, wagt noch niemand zu prophezeien. Mehr Geld für die Parteien, das ist unpopulär, besonders zu Wahlzeiten.

Unmittelbar bietet sich ein Abkommen über die Einschränkung der Wahlkampfaufwendungen an. Aber werden die Bande finanzieller Scheu wirklich halten, wenn das große Duell zwischen Helmut Schmidt und Franz Josef Strauß erst einmal im Gange ist?

Beitragserhöhungen schließlich scheiden aus, nachdem die Mitglieder der SPD und CDU ohnehin seit kurzem tiefer in ihre Taschen greifen müssen (oder sollen). Das gleiche gilt für die Wahlkampfkostenpauschale je Stimmbürger. Und der Gedanke, den Begriff der Wahlkampfkosten zu erweitern, ist ebenso wie die Überlegung, sich vielleicht auch für kommunale Stimmgänge öffentlich alimentieren zu lassen, nichts als Wunschdenken. Wohl oder übel muß also geknappst werden, just nach dem Motto des sozialdemokratischen Schatzmeisters Friedrich Halstenberg, der aus der Not gleich eine Tugend macht: „Sparsamkeit ist eine zusätzliche Geldquelle.“

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Wenn sich am 7. September jenes Datum zum dreißigsten Male jährt, an dem der erste Deutsche Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengetreten ist, wird es natürlich allerhand Feierlichkeiten geben. Parlamentspräsident Richard Stücklen wird das Jubiläum mit einer Rede vor dem Plenum würdigen, auch in Gegenwart von ehemaligen Abgeordneten. Und am Abend des sonst normalen Arbeitstages gibt es einen Empfang, verbunden mit dem, Sparsamkeit ist Trumpf, fast schon traditionellen parlamentarischen Sommerfest.

Das ganze findet freilich erst in der Woche nach dem Jubiläum statt, denn zum Festdatum selbst befindet sich der Bundestag noch in den Ferien, Nur die FDP-Fraktion nimmt es historisch genau. Während CDU/CSU und SPD noch überlegen, was sie überhaupt unternehmen sollen, versammeln sich die Liberalen schon am 6. September an dem Ort, an dem ihre Fraktion zur ersten Sitzung zusammentrat, im Hotel Bristol wo weiland das Haus des Bonner Bürgervereins stand. Es folgen eine Sitzung mit den ehemaligen Abgeordneten, dazu eine Kaffeestunde für die Damen, und am Abend dann ein gemütliches Beisammensein bei einer Schiffstour auf dem Rhein.