Die Entscheidung ist oft selbst dann nicht leicht, wenn es sich um das handelt, was wir uns selbst zumuten können oder wollen. Bei dem, was wir anderen zumuten dürfen oder müssen, wird der Weg zur Entscheidung leicht zur Schleuderbahn. Die individuellen Grenzen der Toleranz sind eben so unterschiedlich, daß sie mit exakten Maßstäben nicht zu messen sind.

Wer durch den Wortdschungel des Paragraphen 103 im 5. Änderungsgesetz zum Arbeitsförderungsgesetz einen Trampelpfad geschlagen hat, bekommt einen Begriff davon, wie mühsam die Gesetzesväter um den neuen Begriff der Zumutbarkeit gerungen haben, der vom 1. August 1979 an Rechtswirklichkeit ist. Man erinnert sich: Der unbestimmte Rechtsbegriff der Zumutbarkeit eines Arbeitsangebotes für einen Arbeitslosen ist in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit reichlich ideologiebeladen diskutiert worden.

Nun aber, ist alles klar. Etwa so: „Beschäftigungen sind nicht allein, deshalb unzumutbar, weil... der Beschäftigungsort vom Wohnort des Arbeitslosen weiter entfernt ist als der bisherige Beschäftigungsort, auch wenn der Beschäftigungsort nicht täglich erreichbar ist; bei Beschäftigungen, die der Arbeitslose von seinem Wohnort nicht täglich erreichen kann, sind die familiären und sonstigen (!) persönlichen Verhältnisse des Arbeitslosen besonders zu berücksichtigen

Kein Zweifel: Auch den Mitarbeitern der Arbeitsämter und Sozialgerichte wird hier bei der Prüfung des Einzelfalles und der Anwendung des neuen Rechts einiges zugemutet.

Leider gibt es wenig quantitative Aussagen über die berufliche und regionale Mobilität der Beschäftigten. Kaum eine Statistik hält fest, was der einzelne sich selber zumutet, um seinen Arbeitsplatz zu behalten und nicht arbeitslos zu werden. Ganz sicher: Wenn man die gleichen Maßstäbe hinsichtlich mobilen Verhaltens an Arbeitslose anlegen würde – es gäbe, keine diskussionswürdigen Fälle. -ahl