Politischer Skandal um Krankenhausbauten auf der arabischen Halbinsel

Immer wenn Besuch aus der Wüste kam, hatte Madame T. alle Hände voll zu tun. Die Herren aus dem Morgenland waren anspruchsvoll und von ihrem Wohlergehen hing viel ab. Da kam es schon mal vor, daß Madame T. gleich mehrere Mädchen auf einmal losschicken mußte, wobei Entfernungen keine Rolle spielten. Für Flugtickets, Spesen und Honorar war stets gewobei

Madame T. war nicht irgendeine Brüsseler Puffmutter; sie dirigierte einen exklusiven Callgirl-Ring. Dennoch würde heute in Brüssel kaum noch jemand von Madame T. sprechen – ihre vor zwei Jahren von einer Nachfolgerin übernommenen Geschäfte sind im März dieses Jahres von der Polizei ausgehoben worden –, wenn ihr Name nicht in einer anderen Affäre aufgetaucht wäre.

Madame T. stand nämlich, wie Brüsseler Zeitungen jetzt berichten, vor einigen Jahren als Public-Relations-Chefin auf der Gehaltsliste der am 20. Juli dieses Jahres in Konkurs gegangenen Gesellschaft Eurosystem Hospitalier. Und ihre 200 Mädchen tauchten in den Büchern als Krankenschwestern auf – zumindest wurden deren Dienstleistungen darin zum Schwesterlohn ausgewiesen.

Die Fürsorge, die Eurosystem Hospitalier nahöstlichen und anderen Geschäftspartnern angedeihen ließ, war ein Teil der Aufwendungen, die geleistet wurden, um an einen der größten Auslandsaufträge der belgischen Industrie heranzukommen: den Bau von zwei Krankenhaus-Komplexen für die saudi-arabische Nationalgarde in Riad und Dschidda.

Der Traum vom großen Geschäft entpuppt sich jetzt jedoch als Posse aus Tausendundeiner Nacht, in der nicht nur die belgische Hochfinanz, sondern, wie es scheint, auch der Hochadel eine Rolle spielt. Der sozialistische Parteivorsitzende Karl van Miert, der mit der Frage, „wie die Regierung und andere hochgestellte Persönlichkeiten und sogar der Hof sich vor den Karren eines Gangsters spannen ließen“, ins Wespennest gestochen hatte, blieb jedenfalls auch dann noch bei seinen Vermutungen und Anspielungen, als Premierminister Wilfried Martens sich schon längst vor die königliche Familie gestellt hatte,

Immerhin sind im Besitz dieser Familie Anteile der Société Generale de Belgique, der größten Finanzholding des Landes. Und über ihre Tochtergesellschaft, die Poudreries Réunies de Beigique (PRB) hält die Société Générale, die „Schwiegermutter der belgischen Finanz“ (so die Wochenzeitschrift „Special“), auch die Mehrheit bei der bankrotten Eurosystem Hospitalier.