In der Werbesprache früherer Reisekataloge erschien die Urlauberwelt als sonnenüberflutetes Ferienparadies mit feinsandigen Stränden und Palmen: idyllisch, romantisch und problemlos. Heute gleichen Prospekttexte mitunter düsteren Schreckensschilderungen. Besonders die Veranstalter von Expeditionen und Abenteuertouren betreiben mit ihren Programmformulierungen gezielt Abschreckung. Im Hinblick auf das neue Reiseveranstaltungsgesetz sollen Nörgler und Kritikaster schon vor dem Buchen aus dem Interessenkeis aussortiert werden.

So schreibt beispielsweise „Ikarus Tours“ gleich auf der dritten Seite seines Katalogs: „Pedanten, exzentrische Eiferer, Nörgler, Kritikaster, Rabulisten – bitte, bitte, nicht zur Teilnahme anmelden! Ebenso mögen zu Hause bleiben: alle Begeisterungs- und Frohsinnskrüppel.“ Für Expeditionsteilnehmer gilt die Vorbedingung: „... daß man Improvisationen nicht als Fehlleistungen des Veranstalters wertet, Stoppuhr und Mikrometerschraube nicht zum eigenen Rucksackgepäck zählt, daß man eher auf die tägliche Dusche als auf erlebbare Ursprünglichkeit verzichtet.“

„Man muß“, so Inter-Air-Chef Helmut Voss, „alle Ausschreibungen so formulieren, daß man die richtigen Gäste findet und die Problemklienten fernhält.“ Eine ähnliche Taktik verfolgt der Geschäftsführer von „Marco-Polo-Reisen“, Wolfgang Schwotzer. Dick steht im Prospekt zu lesen: „Teilnahme auf eigenes Risiko. Abenteuergeist und eine gute körperliche Kondition müssen mitgebracht werden... außerdem die Bereitschaft, kräftig zuzupacken.“

Und Günter Hauser („Exkursionen International, München“) fragt alle interessierten Leser seines Katalogs, ob sie sich die Teilnahme „auch gründlich genug überlegt haben?“ Für alle Fälle führt er noch einmal alle Beschwernisse einer Expedition getreulich auf und weist seine Kunden darauf hin, daß von ihnen Konsumverzicht ebenso gefordert wird wie „kleine Opfer, um aktiv zum Gelingen der Tour beizutragen“.

Laien des Abenteuertourismus lesen schaudernd von den Strapazen, die einen für teures Geld erwarten. Da kann man sich, so wird gewarnt, vielleicht im nassen Zelt einen Schnupfen holen oder beim Ausbuddeln festgefahrener Wüstenjeeps blutige Hände. In den Primitivhütten sei Ungeziefer nicht auszurotten; und auch für die pünktliche Vollpension wird nicht garantiert. Wer sich dadurch immer noch nicht abhalten läßt, erhält schließlich noch die Auflagen: Abenteuergeist, gute körperliche Konstitution und möglichst noch ein ärztliches Fitness-Attest mitzubringen.

Die neuen „Marlboro-Abenteuerreisen“ (CA Ferntouristik, München) verlangen darüber hinaus für ihr Survival-Training in Kanada „Sportlichkeit und Selbstdisziplin“. Noch detalliertere Zugangsbeschränkungen hat der Veranstalter der „Amazonian Expeditions“, Martin Stummer, für seinen Angebotskatalog ausgeklügelt. „Wer nicht unter tropischen Bedingungen eine zumindest durchschnittliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit bewahrt sowie Humor und uneingeschränktes kameradschaftliches Verhalten, wer nicht bereit ist, beim Lagerbau, beim Tragen und anderen Tätigkeiten mitzuhelfen, der sollte unter keinen Umständen buchen.“

Außerdem droht Stummer all den Tollkühnen an, die dennoch drei- bis achttausend Mark für eine Südsee-Safari, eine West-Irian-Expedition oder ein Philippinen-Abenteuer zahlen und bei ihm buchen möchten: „Wir haften auf keinen Fall für Unfälle, wie sie in der Luftfahrt, bei Benützung der diversen Jeeps, Lastwagen, Minibusse, Boote, Fischkutter, auf Flößen, bei Fußmärschen, Flußdurchquerungen und Märschen im Urwald, in Sumpfgebieten und Wüsten vorkommen können.“