Erinnern wir uns, verehrte Leser: Der pflichtbewußte Beamte, dem es gelungen ist, sich zwei Ränge von Untergebenen anzuschaffen, kann „fast sicher sein, daß er demnächst befördert wird“. Professor Parkinson sagt das in einer Nebenbemerkung, während er uns die unaufhaltsame Beamtenvermehrung erklärt. Aber die Nebenbemerkung verbirgt eine Hauptsache.

Zunächst liegt auf der Hand: Beamte im niederen Rang haben kaum Untergebene. Regierungsdirektoren oder Ministerialdirigenten ohne Untergebene sind dagegen kaum vorstellbar. Je mehr Untergebene, desto mehr Einfluß und Ansehen – und desto höher die Besoldungsstufe. Folglich muß, wer seine Untergebenen vermehrt, auch befördert werden. Denn sonst geriete ja die hierarchische Weltordnung in Gefahr.

Heißt dies nun nicht, daß das Streben nach Rangerhöhung eine eigenständige und machtvolle Triebkraft der Beamtenvermehrung darstellt? Die Frage fordert detektivische Leidenschaften heraus. Und womöglich führt sie in Neuland, womöglich bis zu dem Punkt, an dem wir von Parkinson her, aber über ihn hinaus ein eigenes Gesetz formulieren können.

Ein Vergleich mag helfen und Anschauung vermitteln. Denken wir an Parkinsons Marine: Im Rückblick über ein Jahrhundert erkennen wir eine eindeutige Entwicklung. Aus schlichten Linienschiffen entstehen Dreadnoughts, Superdreadnoughts, Schlachtschiffe. Aus Korvetten und Fregatten wachsen die leichten und die schweren Kreuzer heran. Jede Schiffsklasse wird ständig größer, besser gepanzert, entwickelt mehr Feuerkraft. Freilich wird alles auch immer aufwendiger, mammuthafter. Schließlich entsteht „unten“ eine Lücke. Also erfindet man Torpedoboote. Sie wachsen, sie werden zu Zerstörern – und man braucht wieder Neues: Schnellboote. Schlachtschiffe allerdings gibt es längst nicht mehr.

Dieses traurige Schicksal könnte man das Gesetz der Saurier nennen – falls wir unterstellen, daß die ehrwürdigen Riesenechsen den Herausforderungen ihres Daseins nur durch Größenwachstum und stets vermehrte Panzerung zu begegnen wußten und deshalb in der Sackgasse ihrer Aufwendigkeit zugrunde gingen. Aber „unten“, gottlob, wimmelt immer neues Kleingetier hervor.

Oder denken wir an Autos! Wo findet man noch die glänzenden Ungetüme der zwanziger und dreißiger Jahre, die Horch und Bugatti? Im Museum! Wie die Saurier!

Und es geht unaufhaltsam weiter. Käufer beeindruckt man durch mehr Komfort – also werden die Autos größer – und durch höhere Geschwindigkeit also braucht man stärkere Motoren, mehr PS. Doch irgendwann reißt damit die Lücke auf, in die man eine neue Marke nachschieben muß – die sofort wieder ihren Sauriermarsch beginnt. So war es schon vor Jahren bei Opel und Ford, so ergeht es heute den Amerikanern, und Daimler-Benz bereitet den Obergang gerade vor.