Von Klaus-Peter Schmid

Wenn es eines Tages nur noch zwei Autokonstrukteure in Frankreich geben sollte, wäre Chrysler-France einer davon.“ Derart stramme Sprüche machten die Chrysler-Bosse noch vor fünf Jahren. Am 10. August 1978 war es schon aus mit der Herrlichkeit: Peugeot kaufte den Amerikanern ihre europäischen Filialen ab. Und heute, ein Jahr später, gibt es nicht einmal mehr die Marke Chrysler. In Europa produzierte Chrysler-Modelle heißen ab sofort Talbot.

Dafür zählt Frankreich in der Tat nur noch zwei Auto-Unternehmen: Renault und Peugeot, „Die Übernahme der europäischen Chrysler-Töchten zu stellen“. Die Größten, das sind Ford, Genenau einem Jahr, „ist ein entscheidender Schritt, der uns die nötige Größe gibt, um uns den Größten zu stellen.“ Die Größten, das sind Ford, General Motors und Chrysler in den USA, Toyota und Nissan in Japan, Volkswagen, Renault und Fiat in Europa – und vor allem Peugeot, Nummer 1 in Europa und Nummer 4 auf dem Weltmarkt.

Der Aufstieg Peugeots vom Familienunternehmen aus der Provinz zum Weltkonzern war ebenso beständig wie spektakulär. So zog das Magazin Newsweek respektvoll den Hut: „Die Peugeots haben zur Reihe der großen Unternehmerclans aufgeschlossen: den Rockefellers, Fords, Roth“ schilds.“ Und der Konkurrent Renault erklärte: „Der Löwe von Peugeot frißt alles auf.“ 1974 wurde Citroën seine Beute, vier Jahre später Chrysler-Europa.

Nun versuchen die Peugeot-Manager ein Kunststück, das ihnen bei Citroën binnen drei Jahren gelang: aus Millionen-Verlusten Gewinne zu machen. Der Verlust der Chrysler-Töchter in Frankreich (Simca), Großbritannien (Rootes) und Spanien (Berreiros) soll 1978 über 100 Millionen Francs liegen. „Vor Ende 1980“, so heißt es in der Pariser Firmenzentrale, soll die Gewinnzone erreicht sein. Eines der wesentlichen Elemente auf dem Weg dorthin: die Wiedererweckung der Marke Talbot. „Neuer Name, neue Zukunft“ heißt die offizielle Devise.

Zum erstenmal tauchte Talbot 1901 auf. Autos dieser Marke baute der Franzose Adolphe Clement in einem Pariser Vorort, nachdem er sich mit dem britischen Lord Talbot of Shrewsbury zusammengetan hatte. Doch das markige Firmen-Motto „Ohne Furcht und Tadel“ nützte nichts; schon 1912 ging die Fabrik an Citroën über, während die Marke in England weiterlebte. Hier bildete sich 1920 die Allianz Sunbeam-Talbot-Darracq, deren Produkte bald auf Europas Rennstrecken Furore machten.

Bald tauchten die (in England produzierten) Talbots auch auf Frankreichs Straßen wieder auf, die Société des Automobiles Talbot baute zudem neue Touren- und Sportwagen in französischen Werkstätten und gewann manche begehrte Renntrophäe (so 1950 bei den 24 Stunden von Le Mans). Doch 1958 war das Rennen für die Automobiles Talbot zu Ende: Die Firma wurde an den Konkurrenten Simca verkauft.