Deutsch-arabischer Handel

Araber versuchen, die deutschen Exporte nach Nahost zu kontrollieren

Der Eintrag 20 VR 4116 im Vereinsregister des Bonner Amtsgerichts verspricht der deutschen Wirtschaft noch manchen Ärger. Unter dieser Nummer ist die „Arabisch-Deutsche Vereinigung für Handel und Industrie e. V. Ghorfa“ eingetragen. Präsident ist der deutsche Industriemanager Dietrich Wilhelm von Menges, Generalsekretär der Araber Mohamed Abugarga. Zweck des Vereins: Die Förderung deutsch-arabischer Wirtschaftsbeziehungen.

Inzwischen hat sich freilich der Verdacht verdichtet, die arabische Welt habe mit diesem Verein in der Bundesrepublik eine Zentrale zur Kontrolle des deutsch-arabischen Handels etabliert.

Schon die Gründung im Sommer 1976 stand unter einem schlechten Omen, und zwar wegen des reputierlich klingenden Namens, den sich die Vereinsgründer, 43 Deutsche und Araber, auserkoren hatten: „Arabisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer“. Das brachte den Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT) auf den Plan, weil der Begriff Kammer für die deutsche Wirtschaft geschützt ist. Die Handelskammern . sind Körperschaften des Öffentlichen Rechts, denen allerlei amtliche Befugnisse zugewiesen sind.

Aus der Sorge, der Vereinsname „Arabisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer“ könne darüber hinwegtäuschen, daß es sich bei dieser neuen „Kammer“ nur um einen privatrechtlichen Verein ohne jegliche amtliche Befugnis handelt, erhob der DIHT Einspruch gegen die Verwendung des Begriffs „Kammer“. Das Registergericht gab dem DIHT Recht.

Inzwischen erinnert nur noch die Bezeichnung Ghorfa in dem neuen Namen daran, was die „Arabisch-Deutsche Vereinigung für Handel und Industrie“ sein wollte. Ghorfa ist das arabische Wort für Kammer. Daß die Hausjuristen des DIHT die Aktivitäten des neuen Vereins so wachsam verfolgten, kommt nicht von ungefähr. Französische Industriekreise hatten dringend abgeraten, „das Experiment einer französischarabischen Kammer in der Bundesrepublik nachzuahmen“. Die Franzosen haben mit einer Institution gleicher Art bittere Erfahrungen gemacht. Sämtliche notwendigen Dokumente, für Exporte französischer Firmen in die arabische Welt müssen seit 1970 nicht nur durch die französischen Behörden und die Konsulate der Importländer amtlich gesiegelt werden, sondern darüber hinaus auch noch durch die arabisch-französische Kammer. Das hat die Exportverfahren erheblich verkompliziert. – Die Klage der Franzosen: „Was die einzelnen Konsulate vorher mehr oder weniger liberal gehandhabt haben, ist heute nicht mehr möglich.“ Dies gilt insbesondere für die Boykott-Richtlinien der arabischen Länder.