Hervorragend

Ry Cooder: „Bob Till You Drop“. Von den Kompositionen sowie den Instrumental- und Vokal-Arrangements her erinnert „Bob Till You Drop“ am ehesten an sein 1974 erschienenes Album „Paradise & Lunch“. Wie damals schon wollte er hier wieder seine Vorstellungen von einem zeitgenössischen Rhythm & Blues realisieren, der auf die besten Traditionen dieses Genres zurückgreift und die Erfahrungen des schwarzen Großstadt-Proletariats und Mittelstandes in Kurzgeschichten ähnlichen Songtexten formuliert. Was er bei seinen Experimenten mit Blues, mexikanischer und hawaiianischer Folklore, Rock ’n’ Roll, Gospel Music und letzthin Jazz lernte, geht hier selbstverständlich in seine Spielweise mit ein. Cooder ist, wohl auch inspiriert durch seinen Mit-Spieler David Lindley, selten besser gewesen an Slide-Gitarre und Mandoline. Die ihn begleitenden Studio-Profis (unter ihnen wieder die Percussionisten Milt Holland und Jim Keltner, die auch bei „Paradise & Lunch“ spielten), Produktion und Aufnahmetechnik sind von überragender Qualität. („Bob Till You Drop“ ist die erste in Digitaltechnik aufgenommene Rock-LP!) Der Versuch, dem R & B eine neuerliche Identität jenseits aller Moden vom Phillysoul bis zur Disco Music zu geben, ist auf überzeugende Weise geglückt. (Warner Bros. WB 56 691) Franz Schüler

Hörenswert

Geduldig und Thimann: „Kum alter du filosof“ und Zupfgeigenhansel: „Jiddische Lieder“. Zwei Wiener und zwei Schwaben singen jiddische Lieder; sie machen einen weiten Bogen um alle unter vollem Orchesterklang aufgedunsenen Versionen und versuchen, wie Edward Geduldig und Albert Thimann aus Wien sagen, „jene Stimmung wiederzugeben, wie sie im europäischen Ostjudentum war“. Sie wählten zur Begleitung Akkordeon, Klarinette und Geige; die Zupfgeigenhanseln Thomas Friz und Erich Schmeckenbacher, voriges Jahr von den Juroren des Deutschen Schallplattenpreises zu Künstlern des Jahres gekürt, bemühen Geige und Kontrabaß, Gitarre, Flöte, Mandoline, Akkordeon und Bouzouki. Beiden Gruppen gelingt die schwierige kunstvolle Kunstlosigkeit, die Volksliedern zu ihrer Lebendigkeit verhilft Die Wiener machen es ein wenig schmiegsamer und wirken, trotz des erkennbaren Lokalkolorits, natürlicher; die zwei Zupfgeigenhanseln sind, das merkt man, gewandter (ihrer Schallplatte ist übrigens ein ganzes Heft mit Noten und Texten beigefügt). Da auf beiden Platten verschiedene Lieder enthalten sind, lohnt es sich, beide zu hören. (Mandragora/Intercord INT 160.126 und pläne 88 141)

Manfred Sack