Deutschlands größtes Gasversorgungsunternehmen, die Essener Ruhrgas AG, ist in einiger Verlegenheit. Schuld daran sind die neuen Machthaber des Iran, die Zweifel an der Erfüllung eines im November 1975 noch mit dem Schah-Regime abgeschlossenen Vertrages über die Lieferung von Erdgas haben aufkommen lassen.

Liefern die Perser nun oder liefern sie nicht? Sicher ist nur, daß das Gas nicht schon 1981 – wie ursprünglich vorgesehen – strömen wird. Dazu ist der Bau der Pipeline aus dem Iran in die Sowjetunion – die als Drehscheibe für dieses Geschäft fungieren soll – zu weit hinter dem Plan zurück.

Die Ruhrgas hat nun die Wahl, entweder die Erdgasverbraucher zu verunsichern oder die Iraner vor den Kopf zu stoßen. Sie kann nämlich entweder erklären, sie brauche die vereinbarte Menge Gas ganz dringend – dann fürchtet der Verbraucher um die Sicherheit seiner Versorgung – oder sie sei überhaupt nicht darauf angewiesen – dann brauchen die Perser bei einem endgültigen Platzen des Geschäfts nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu haben.

Die Gasmänner behelfen sich damit, daß sie zweierlei erklären: Bei einem Ausfall der Iran-Lieferungen werde es keine Versorgungsprobleme geben, gleichwohl sei man natürlich an dem Gas aus Persien interessiert. Und das ist wohl die Wahrheit. Versorgungsprobleme kann es deshalb nicht geben, weil die Mengen für alle jetzt an das Erdgasnetz angeschlossenen Kunden längst anderweitig gesichert sind, das Gas hätten die Ruhrgas-Leute deshalb gern zusätzlich, weil sich damit neue Kunden gewinnen ließen.

Eine Schlüsselpositior. in der deutschen Gasversorgung ist für den Iran ohnehin nicht vorgesehen. Die vereinbarte Menge von jährlich 5,5 Milliarden Kubikmetern Gas, die 1984 erreicht werden sollte, hätte für 1990 einen Anteil von sieben Prozent an der deutschen Gasversorgung bedeutet. Da der Erdgasanteil an der Versorgung der Bundesrepublik mit Primärenergie für das gleiche Jahr auf 17 Prozent geschätzt wird, würde der Iran zur Deckung des deutschen Energiebedarfs mit 1,2 Prozent beitragen – oder nicht.

Das ist eine Menge, deren Ausfall sicherlich zu verdauen ist. Rein rechnerisch wäre sie dadurch auszugleichen, daß der Steinkohlenbergbau sechs Millionen Tonnen Kohle mehr fördern würde – sicherlich kein allzu großes Kunststück.

Überdies ist es durchaus möglich, ausfallende persische Lieferungen durch die Erschließung anderer Quellen zu ersetzen. So sind nach dem Abschluß des Iran-Geschäfts allein durch Verträge mit Algerien 15 Milliarden Kubikmeter Gas für den deutschen Markt gesichert worden: