/ Von Gerti Wöhe

Was ist eine „Consultingfirma“? Selbst Arbeitssuchende, die sich auf Grund einer Stellenanzeige bei einer Consultingfirma bewerben, haben häufig nur recht vage Vorstellungen von den Anforderungen, die an sie gestellt werden, und von der Aufgabe, die sie erwartet.

Das Wort „Consulting“ läßt vermuten, daß es sich um Unternehmen handelt, die amerikanischen Ursprungs sind. Bei den in Deutschland registrierten etwa 180 Consultingfirmen handelt es sich jedoch um rein deutsche Unternehmen. „Consult“, so kann man im Wörterbuch nachlesen, bedeutet „sich beraten, mit jemandem über eine Sache beratschlagen“; und ein „Consulting engineer“ ist ein „technischer Berater“. Die Mehrzahl der heutigen Consultingfirmen gingen aus ehemaligen Ingenieurbüros hervor. Im Gegensatz zum Ingenieurbüro ist die Consultingfirma jedoch nicht nur überwiegend international tätig, sondern sie nimmt auch weitaus umfassendere Aufgaben wahr. Diese reichen von der „Feasibility-Studie“ – einer Durchführbarkeitsuntersuchung – über die Planung bis hin zu Bauüberwachung, Projektmanagement, Übergabe und oftmals sogar bis zur Überwachung der Mängelbeseitigung.

Der Dachverband der Consultingfirmen in Deutschland allerdings, der seinen Sitz in Bonn hat, hat in seinem Namen das Wort „Consulting“ nicht erwähnt; er nennt sich „Verband unabhängig beratender Ingenieurfirmen e. V.“, von Branchenkundigen kurz VUBI genannt. Ihm gehören inzwischen 130 Consultingfirmen mit insgesamt 18 500 Mitarbeitern an, die einen jährlichen Honorarumsatz von fast 1,8 Milliarden Mark aufweisen.

Consultings sind Dienstleistungsunternehmen, die im Gegensatz zu Industrieunternehmen nicht Produkte verkaufen, sondern ihr Wissen, das „Know-how“ genannt wird. Der Trend sowohl bei Auftraggebern als auch bei größeren Consultingfirmen geht dahin, alle Aufgaben, von der Vorplanung, der Feasibility-Studie also, bis zur Übergabe des fertigen Projektes von einem einzigen Consulting-Konsortium durchführen zu lassen.

Eines der größten Probleme vieler Consultingfirmen ist es daher, geeignetes Personal für ihre oft sehr umfassenden wie differenzierten Projekte zu finden. Nur große Consultings können beim Erhalt eines Auftrages auf den eigenen Mitarbeiterstab zurückgreifen; und nur eine geringe Zahl von Consultings kann sich die hohen Kosten der Personalvorhaltung leisten.

Viele Consultings müssen für neue Aufgaben auch neues Personal suchen – und die geeigneten Mitarbeiter in der Regel auch schon gefunden haben, bevor feststeht, ob die Consultingfirma den Auftrag überhaupt erhalten wird. Der Auftraggeber nämlich bittet oft bereits bei der „Kurzvorstellung“ anläßlich der Bewerbung des Consultingunternehmens um den Erhalt der Ausschreibungsunterlagen. Neben Bilanz, Firmensatzung, Bank- und Kundenreferenzen müssen auch die beruflichen Lebensläufe des einzusetzenden Personals, oft sogar mit deren Unterschrift, eingereicht werden, Die Chancen, den Auftrag schließlich zu erhalten, sind ungewiß, und die Klausel, Personal zu nennen, das noch gar nicht vorhanden ist, bereitet manchem Consultingchef Kopfzerbrechen; denn geeignetes Personal zu finden ist keine einfache Aufgabe.