Die Träume von Romantik und Naturerlebnis, von klingklaren Seen, weiter Wildnis und plätschernden Lachsflüssen kommen erst einmal in die Schublade. Die „Ferienbauern“ aus allen Teilen der Welt, die in den Sommermonaten Arbeitsurlaub auf norwegischen Gehöften machen, blicken an den ersten Abenden auf die Schwielen von der Mist- oder Heugabel, stöhnen über ihre vom stundenlangen Beerenpflücken gekrümmten Rücken und spüren ihre Beine. Dann denken sie nur noch an ihre freie Kost und Logis, insbesondere an letzteres.

Die ungewohnte Bauernarbeit ist hart für die meist aus Europa und Amerika angereisten jungen Leute, die sich für ein Taschengeld verdingen. Viele sind eingefleischte Städter, die noch keinen Kuhstall von innen gesehen haben. Und nun lernen sie: Heumachen, Jäten, Melken, Vieh füttern, auf dem Feld arbeiten oder Früchte, Kartoffeln und Kohl ernten, das ist kein Kinderspiel. Selbst wenn man nur auf die Kinder aufpassen und im Haushalt mithelfen soll, ist man erst einmal so richtig müde. Und man spürt wieder, daß man einen Körper hat.

Doch nach einigen Tagen ist die Anfangserschöpfung überwunden, jetzt erst beginnt das Genießen. Meist liegen die Höfe in herrlicher Natur, in den Küstenbereichen Südnorwegens mit ihren felsigen Stränden, in der Telemark mit ihren Wäldern, kleinen Seen und Gebirgen, am Fuße von Gletscherarmen des großen Jostedalgletschers oder in der kargen, felsigen Landschaft Nordnorwegens, in der für einige Wochen die Sonne nicht mehr untergeht.

Die Norweger sind ein freundliches und natürliches, aber auch zurückhaltendes Volk. Gastfreundschaft wird großgeschrieben, ist erst einmal das Eis zwischen den „Gastarbeitern“ und den oft stillen und scheuen Norwegern gebrochen. Auf den Höfen wird meist Englisch oder Deutsch verstanden, doch im Laufe des Aufenthalts lernt man schnell Begriffe wie „hei“ oder „morn“ als überall verstandene Begrüßungsformel oder „takk“, das Dankeswort.

Die ausländischen Jugendlichen leben und arbeiten von vier Wochen bis zu drei Monaten auf den Bauernhöfen, wo sie in das Familienleben eingeschlossen werden und die Möglichkeit haben, viel über die norwegische Bauernkultur, die Mentalität und die Lebensauffassung der Norweger zu erfahren. Obwohl sie fast nichts verdienen, kommen einige schon seit Jahren, um einmal im Jahr aus Stadt und Streß, Hektik und Lärm zu entfliehen.

Kontaktadresse für die Arbeit auf norwegischen Bauernhöfen in der Zeit von Mai bis Oktober: The Norwegian Committee for International Information and Youth Work (NIU), Grev Wedels plass 5, Oslo 1/Norwegen, Tel. (0047 2) 41 02 10.

Auskünfte: Norwegisches Fremdenverkehrsamt, Glockengießerwall 26, 2000 Hamburg 1, Tel. (0 40) 32 76 51–52.