München: „Die Sammlung Josef Breitenbach“

Josef Breitenbach hat vor 35 Jahren begonnen, Photographien zu sammeln, „aus persönlichem Interesse an diesen außerordentlich vielsagenden und interessanten Dokumenten ihrer Zeit“. Er ist selbst Photograph und verwendete die Photos als Anschauungsmaterial bei seinen Vorlesungen zur Geschichte der Photographie an der New Yorker „New School for Social Research“ und anderen amerikanischen Universitäten. Breitenbach, 1896 in München geboren, 1933 nach Frankreich emigriert und von da in die Vereinigten Staaten, war ein Kenner, der den künstlerischen und sozialgeschichtlichen Wert der frühen Photographien entdeckte, bevor diese Erkenntnis allgemein ins Bewußtsein rückte. So konnte er mit sehr bescheidenen Mitteln eine bedeutende Sammlung zusammentragen, die alle Anwendungsbereiche der Photographie umfaßt. Die Ausstellung kann die Sammlungsbestände nur in einer Auswahl vorführen. Daguerreotypien in der originalen Montierung, vielfach in buchförmigen Kästchen („Union-Cases“) hat Breitenbach en gros erworben, ebenso Visitenkartenbilder – von Disdéri dem Erfinder der „Carte de visite“, Nadar, Carjat, Albert, dem bayerischen Hofphotographen, und vielen anderen – und Stereokarten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die Postkarten aus jener Zeit nicht zu vergessen. Die Stereokarten, überwiegend nicht Einzelbilder, sondern Bildserien, die das Prinzip des Films vorwegnahmen, und die Postkarten sind mehr als kulturgeschichtliche Kuriosa, sie verraten einiges über die Wünsche, Sehnsüchte und Gefühle jener Jahre. Die für die Entwicklung und Breitenwirkung der Photographie wichtigen Dokumente, wozu auch die Beispiele aus den Anfängen der Reportage gehören, bilden die Folie für eine Geschichte der Photographie, veranschaulicht durch Aufnahmen der großen Photographen, von Talbot und Hill-Adamson bis zu Kertesz und Weston. Auch hier hat Breitenbach Vollständigkeit angestrebt, bis in die fünfziger Jahre wenigstens (Brassaï und Ansel Adams allerdings fehlen). Kunstphotographie der Jahrhundertwende – zum Beispiel die auf malerische Wirkung zielenden Aufnahmen von Steichen – ist mit einbezogen, Künstlerphotographie – von Man Ray etwa oder Charles Sheeler – ausgeklammert. Breitenbach ist offensichtlich mehr daran interessiert, wie der Photograph als Künstler die Welt sieht, und weniger, wie der Künstler als Photograph Wirklichkeit beschreibt. Diese Entscheidung ist konsequent, Breitenbach zeigt in diesem Teil seiner Sammlung in welcher Weise die Photographie die Welt entdeckt und durch das Bild erobert hat, in Aufnahmen, bei denen der Photograph nicht eingegriffen hat ins Thema, nur mit Erstaunen, Erschrecken oder Erschütterung beobachtet. (Fotomuseum des Münchner Stadtmuseums, bis zum 9. September, Katalog 20 Mark) Schneider

Wichtige Ausstellungen

Aachen: „Sumer-Assur-Babylon, 7000 Jahre Kunst und Kultur an Euphrat und Tigris“ (Neue Galerie – – Sammlung Ludwig bis 26. August, Katalog 15 Mark).

Berlin: „Horizonte ’79: Kunst aus Haiti – Moderne Kunst aus Afrika“ (Staatliche Kunsthalle bis 22. August, Kataloge 15 Mark).

Darmstadt: „Die Düsseldorfer Malerschule“ (Mathildenhöhe bis 9. September, Katalog 30 Mark).

Frankfurt: „Bernhard Luginbühl – Jean Tinguely“ (Städel bis 26. August, Katalog 25 Mark).