Von Gerhard Seehase

HAMBURGER SPORTVEREIN

Das größte Handikap des HSV ist es, daß er in der kommenden Saison vom Jäger zum Gejagten werden wird. Die Konkurrenz ist „scharf“ auf den Deutschen Meister. Wer gegen den Champion gewinnt, gewinnt an Prestige. Was bedeutet, daß der HSV bereits vom ersten Spieltag an – auswärts gegen den VfL Bochum – nicht mehr unter der Tarnkappe des Bescheidenen auftreten kann. Die teuerste Mannschaft der Bundesliga – monatlicher Unterhalt 1,2 Millionen Mark – steht wie keine andere unter Erfolgszwang.

Wenn ihr trotzdem eine erfolgreiche Titelverteidigungenzutrauen ist, dann vor allem deshalb, weil der Jugoslawe Zebec als Trainer dafür garantiert, daß sich niemand im hochdotierten HSV-Team auf den Lorbeeren von gestern ausruhen wird. Branko Zebec ist unerbittlich in seinen Forderungen – dazu gehört auch: „Kein Tropfen Alkohol während der Saison.“

Es spricht im übrigen für den HSV, daß die Mannschaft zusammengeblieben ist. Und die Abwehrreihe wurde durch den Einkauf des Duisburger Spieler Dietmar Jakobs noch verstärkt.

Im Mittelfeld setzt der HSV nach wie vor auf den Spielmacher Felix Magath, im Angriff wird der Engländer Kevin Keegan von keinem anderen Stürmer der deutschen Bundesliga übertroffen werden. Der Mann aus Liverpool ist sozusagen maßgeschneidert für den hanseatischen Fußball.

Die Stärke des HSV wird es wieder sein, in den Auswärtsspielen entscheidende Punkte zu holen – ohne dabei spielerisch zu begeistern. Die Elf ist „cool“, sie wird die Favoritenrolle verkraften.