Österreich, traditionelles Lieblingsziel bundesdeutscher Sommerurlauber, hat im Vergleich zu anderen Reiseländern an Boden verloren. Verregnete Sommer und starke Preissteigerungen verderben den Bettenvermietern zwischen Bregenz und Wien das Geschäft.

Annähernd acht Milliarden Mark ließen deutsche Urlauber im Jahr 1978 in der Alpenrepublik – und damit mehr als drei Viertel aller Deviseneinnahmen aus dem Fremdenverkehr. Mit diesem Geld deckt die Wiener Regierung rund vierzig Prozent des gesamten Außenhandelsdefizites. Den Grad der Abhängigkeit von Mark, Dollar und Franken formuliert Dr. Josef Staribacher, Minister für Handel und Verkehr, so: „Ohne den Tourismus wäre Österreich längst pleite!“

Um so mehr bekümmert Hoteliers und Pensionswirte der Mangel an Sommergästen, denn allzu viele der rund 1,2 Millionen Fremdenbetten bleiben auch während der Hochsaison oft ungenutzt. Schlechtes Wetter in den Sommermonaten und stark gestiegene Preise werden als Hauptgründe für Rückgang oder Stagnation in den drei letzten Jahren genannt.

Auch für diesen Sommer rechnet man in Österreich nur mit einem bescheidenen Wachstum von rund einem Prozent. Daß sich das große Wehklagen der von Touristen abhängigen Wirtschaft noch in Grenzen hält, liegt allein an den in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegenen Urlauberzahlen während der Wintersaison.

Um die Zeit zwischen Mai und September. wieder attraktiver zu gestalten und nach Spanien oder Italien abgewanderte Urlauber zurückzugewinnen, haben sich Österreichs Fremdenverkehrswerber zu Beginn dieser Saison eine Kampagne einfallen lassen, von der sie sich für die nächsten Jahre Auftrieb versprechen.

Mit einem Werbeaufwand von bisher rund sieben, Millionen Mark bereicherten sie die Touristik-Terminologie um einen neuen Ablaut: Ihr „wunderbares“ Land wird präsentiert als „wanderbares Österreich“. In bester Marketingmanier findet sich dieser Slogan in allen Anzeigen, auf Plakaten und Prospekten, auf den Heckscheiben von Autos und den Frühstückstischen der Hotels. Es scheint, daß sich die Österreicher mit dieser Aussage voll. inhaltlich identifizieren können. Entsprechend stark ziehen sie denn auch mit. Neben dem Bett liegen Wandertips und Landkarten, und so mancher Dorflehrer führt die japsenden Flachländler sicher auf die Hochalmen.

Minister Staribacher, den seine Landsleute fast liebevoll als „Happy Peppi“ betiteln, macht kein Hehl daraus, daß die Wanderaktion auch ein wenig von den in letzter Zeit oft verregneten Sommermonaten ablenken soll. Sein Argument: „Beim Wandern ist es am besten, wenn die Sonne nicht gar zu heiß scheint.“