So plötzlich, wie sie gekommen waren, haben sich die Ausländer wieder vom deutschen Kapitalmarkt verabschiedet. Ob für längere Dauer, ist schwer voraussehbar. Auf alle Fälle ist deutlich geworden, daß es allein die Ausländer sind, die das Auf und Ab am deutschen Aktienmarkt bestimmen. Ohne sie läuft praktisch nichts.

Zwar hatten sich ihren Käufen einige deutsche Investmentfonds angeschlossen. Als diese jedoch merkten, daß sie in den Börsensälen nur noch die einzige Käufergruppe waren und praktisch die Aktien zu gestiegenen Kursen schlucken sollten, die der Börsenberufshandel loswerden wollte, zogen sich auch die Fonds wieder vom Marke zurück.

Mit einer Rückkehr der Ausländer ist ziemlich sicher zu rechnen, sobald sich die Anzeichen für eine Aufwertung der Mark gegenüber anderen EWS-Währungen konkretisieren. Für eine sofortige Paritätenänderung besteht jedoch kein Anlaß. Unter diesen Umständen, mußten wieder wirtschaftliche Fakten tendenzbestimmend werden. Und hier ist positiv anzumerken,daß sich der Kapitalmarktzins in letzter Zeit zurückgebildet hat. Zwar haben wir auch das im wesentlichen ausländischen Käufen zu verdanken, doch lassen sich gute Gründe dafür anführen, daß der Zinsanstieg auch ohne sie gestoppt worden wäre.

Die unterschiedlich beurteilten konjunkturellen Aussichten bieten wenig Anlaß für eine generelle Verstärkung der Aktienportefeuilles. Wenn Banken zum Aktienkauf raten, so empfehlen sie bestenfalls selektives Vorgehen, Man sollte vorerst überhaupt keine Neuengagements eingehen, meint zu diesem Thema die Hessische Landesbank in ihren „Börsennachrichten“. Bei steigenden Kursen, so rät sie ihrer Kundschaft, sollte man sich von Konsumwerten trennen. Das war in den letzten Tagen sogar möglich, weil einige Gruppen ihr Engagement gerade in diesen Papieren verstärkt haben. Aktueller Anlaß war der für die Warenhäuser offenbar befriedigend verlaufender Sommer-Schlußverkauf. Im Hintergrund steht aber wohl die Auffassung, daß in den stark gedrückten Kursen der Einzelhandelsaktien die nachteiligen Folgen der zu erwartenden Konsumeinschränkung bereits ausreichend zum Ausdruck kommen.

Bei den bisherigen Modepapieren, also vor allem den Maschinenbau-Aktien, wurden in den letzten Tagen Kursgewinne realisiert. Das war; nach den kräftigen Kurssteigerungen überfällig; Da aber die Investitionsgüter-Industrie auch in Zukunft noch mit einer weiteren Steigerung ihres Auftragsbestandes rechnen kann und bei ihr konjunkturelle Befürchtungen nicht am Platze sind, werden ihre Aktien Lieblingskinder des-Aktienmarktes bleiben. K. W.