Pariser Haute Couture Yves Saint Laurent spektakuläre Mode

Paris

Superbe, jubeln Franzosen, die etwas von Schneidertechnik und modischen Kreationen verstehen; süperbe, juchzen die Privatkundinnen von Yves Saint Laurent und geben dem Sieger für eine seiner spektakulärsten Kollektionen stehend Beifall. Süperbe finden sie vor allem die Abendmode mit glanzvollen Galaroben, prachtvollen Stilkleidern mit knisternden Taftröcken zu gleißend bestickten Spenzern, Korsagen oder Schoßjacken. Der „Abend“ füllt zu zwei Dritteln alle Pariser Kollektionen.

Aber auch sonst ist man sich einig: mit Falten gebauschte, auf jeden Fall breite Schultern sind ein Muß. „Keulenärmel“ heißt diese Modeschöpfung, die dem Handgelenk schmal zuläuft. Jacken haben kurze wellige Schößchen oder gleichen dem eleganten Schnitt langer Reitjacken. Gürtel betonen wieder die Taille. Für den Tag sind die Röcke kürzer geworden, können glockig sein oder schmal fallen und haben keine Schlitze mehr.

An erster Stelle der Damengarderobe steht wieder das Kostüm. Bei den Stoffen siegte der Samt. Er wird für früh bis spät kilometerweise verarbeitet. Die Farben funkeln satt wie kostbare Edelsteine, doch schwarz dominiert. Die deutlich feminine Silhouette der letzten Saison wurde gefeilt und ist noch eleganter geworden. Zu ihren Details gehören Boas, Stolas, Muffs, Fächer, Handschuhe, Hüte und elegante Schuhe zu meist schwarzen Feinstrümpfen.

Yves Saint Laurents Atempause ist beendet. Er katapultiert sich wieder an die Spitze der Couturiers, und mit seiner „Huldigung an Serge Diaghilev und dessen Zusammenarbeit mit Picasso“ machte er das Publikum seiner Show denn auch atemlos. Sein Konzept ist eine Synthese von Kunst, Ballett und Mode, eine Apotheose des russischen Balletts, das den Geschmack einer Generation zwischen 1909 und 1929 geprägt hat. Für die damals revolutionären Choreographien von Diaghilev hatte beispielsweise Leon Bakst die Kostüme entworfen und der junge Picasso – wie auch Max Ernst, Braque und Matisse – das Bühnenbild gemalt: Alle brachten eine Invasion neuer Farben auf die Bühne.

Nun konnte Paloma Picasso im Ballsaal des Hotel Intercontinental zum erstenmal Bilder ihres Vaters als Kleider verwandelt über den Laufsteg gehen sehen. Da defiliert das Harlekin-Thema der blauen und rosa Epoche auf Kleid und Mantel, Torerokostüme für tags wie abends, und Ballerinen-Kleider ziehen vorbei. Die Korsagen umspannen Taille und Hüften eng, um in weiten kniekurzen Röcken aus Tüll oder Taft mit Volants besetzt und von Unterröcken gestützt dem echten Tü-Tü zu gleichen. Halskrausen aus Tüll, die Kanten mit Straß oder Pailletten bestickt und zierliche Rüschen am Oberarm ersetzen hier den Schmuck. Es sind junge kokette Kleider. Sie werden wie jedes Modell der gesamten Kollektion mit Tamburinhütchen, kleinen Dreispitzen, mit Torerohüten oder skurrilen Arabesken als Kopfschmuck getragen.