Paris – Drehscheibe eines neuen euro-arabischen Dialogs

Von Klaus-Peter Schmid

Paris, im August

Die französische Diplomatie, in den letzten Monaten vorwiegend mit Europa beschäftigt, hat sich in diesem Sommer einen neuen Horizont gesteckt: den Nahen Osten. Die offiziellen Reisen in arabische Länder reißen nicht ab; Saudi-Arabien, der Irak und die Emirate am Golf sind die gesuchtesten Gesprächspartner. Und zwischen die Ölherren, die an der Seine empfangen werden, haben sich nun auch die Palästinenser geschoben. Paris ist zur Drehscheibe eines neuen euro-arabischen Dialogs geworden, in dem es um mehr geht als um Di und Investitionen. Frankreich versucht, zusammen mit seinen europäischen Partnern, das Vakuum zu füllen, das nach dem Sturz des Schah und dem Prestigeverlust der Amerikaner entstanden ist.

Wie so oft, wenn Paris auch im Namen seiner Partner spricht, sind allerdings nationale und gemeinschaftliche Interessen nur schwer auseinanderzuhalten. Der Euro-Gipfel von Kopenhagen im Dezember 1973 ist noch in deutlicher Erinnerung: Die Franzosen arrangierten auf eigene Faust eine Diskussion mit vier arabischen Außenministern. Wegen der Frage nach einer Beteiligung der Palästinenser kam der Dialog nur sehr mühsam in Gang. Gleichzeitig versuchte Paris aber, seine Initiative in vorteilhafte Ölverträge umzusetzen.

Der zweite französische Vorstoß in Richtung Arabien war Giscard d’Estaings Vorschlag zu einer großen Ölkonferenz in Paris. Daraus wurde schließlich der ergebnislose Nord-Süd-Dialog, bei dem Energiefragen nur am Rande behandelt wurden. Doch wiederum konnte Frankreich seine Mittlerrolle stärken. Als Kuwait jetzt einen neuen Energiedialog zwischen Europa und der arabischen Welt anregte, war Paris somit die natürliche Adresse.

Auch in der Palästina-Frage hat Frankreich stets den Vorreiter gespielt. So erklärte der damalige Außenminister Jobert 1973 nach dem Jom-Kippur-Krieg: „Ist es unbedingt eine überraschende Aggression, wenn jemand versucht, nach Hause zurückzukehren?“ Ein Jahr später traf Giscards Außenminister Sauvagnargues in Beirut den Palästinenser-Chef Arafat – abermals eine für Frankreichs Partner völlig überraschende Geste. Heute hält man es im Pariser Außenministerium für denkbar, daß Arafat in den nächsten Monaten auch an der Seine empfangen wird, möglicherweise von Giscard selbst.