Hans Maier, liberal-konservativer Kultusminister des Freistaates Bayern, sorgt sich seit langem um das Seelenheil der Landeskinder. Sein Ministerium hat den Schülern Kotullas Film über den Lagerkommandanten von Auschwitz vorenthalten: es hat Autoren wie Biermann, Fried und Wallraff aus den Schulbüchern entfernt; nun möchte es verhindern, daß Kriegsdienstverweigerer in Schulen Erste-Hilfe-Kurse geben oder in Jugendherbergen Wanderklassen betreuen. Denn, so die intern geäußerte Auffassung des Staatsministeriums, „eine politische Beeinflussung (ist) grundsätzlich dann möglich, wenn in einer Einrichtung der unmittelbare Kontakt von Kindern und Jugendlichen mit den Zivildienstleistenden gegeben ist“.

Ehe der Minister dem Bundesamt für den Zivildienst in Köln seine Bedenken mitteilt, sollte er überlegen, ob man die Quarantäne nicht ausdehnen müßte. Und jenen freundlichen Helfern, die alten Menschen das Essen bringen und die Betten machen, ließe sich eine Imkerhaube verpassen, damit sie unreife Enkelkinder nicht politisch gefährden. Man muß ja nicht gleich so weit gehen, alle Zivildienstler für achtzehn Monate in den Bayerischen Wald zu verbannen.

Ob solche Apartheid junge Menschen gegen das Vorbild selbstloser Fürsorge und tätigen Bürgersinns immunisiert, steht dahin. Angst vor Verführung ist ein schlechter Ratgeber, das Grundgesetz wäre ein besserer. Dort ist das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung garantiert. Zwar gibt es Länder, wo man Bürgerrechtler wie Aussätzige behandelt. Der Freistaat Bayern zahlte bislang nicht dazu. kj.