Von Jes Rau

Die Konjunkturpropheten bieten derzeit für jeden Geschmack etwas. Die Rezession kommt, sagen die einen. Der Aufschwung setzt sich fort, sagen die anderen. Und wieder andere drücken sich so vorsichtig aus, daß ihre Prognose weder nach Fisch noch nach Fleisch schmeckt.

Zu den Optimisten gehören die Organisationen der Arbeitgeber. Für den Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrier und Handelstages (DIHT), Paul Broicher, ist es „völlig klar“, daß sich die deutsche Wirtschaft in einem sich selbst tragenden Aufschwung befindet, der sich auch 1980 fortsetzen wird. Etwas vorsichtiger, aber immer noch optimistisch, ist der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der „bis ins Jahr 1980 hinein gute Wachstumsbedingungen“ sieht,

Angesichts der noch nicht ganz ausgestandenen Diskussion um einen Lohnnachschlag zum Ausgleich der gestiegenen Benzin- und Heizölkosten überrascht die Zuversicht. Hat man sich doch so daran gewöhnt, daß die Arbeitgeber, um die Begehrlichkeit der Gewerkschaften zu dämpfen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Devise ausgeben: „Die Lage war noch nie so ernst.“

Die Sorge der Arbeitgeber vor wilden Streiks und Lohnzuschlägen verblaßt offensichtlich vor der Angst, daß der labile Konjunkturaufschwung durch pessimistische Stimmungsmache allzuleicht zur Rezession „heruntergeredet“ werden kann.

Die Arbeitgeberverbände begründen ihren Optimismus mit der günstigen Auftragslage, insbesondere im Investitionsgüterbereich und der starken Nachfrage aus dem europäischen Ausland. DIHT-Geschäftsführer Broicher verweist auf Umfragen der Handelskammern, die ergaben, daß ein großer Teil der Unternehmen im zweiten Halbjahr 1979 und 1980 mehr und ein geringerer Teil weniger investieren werden, während die Hälfte der befragten Firmen ihre Investitionen etwa auf dem bisherigen Niveau zu halten beabsichtigen.

Daß die Investitionskonjunktur günstig aussieht, wird auch vom Ifo-Institut nicht bestritten. In der jüngsten Voraussage des Münchner Instituts ist davon die Rede, daß die Ausrüstungsinvestitionen 1980 kräftig steigen, von etwa 6,5 Prozent. Die gewerblichen Bauinvestitionen würden 1980 sogar noch stärker zunehmen als im laufenden Jahr. Trotzdem sind die Konjunkturwetterfrösche von Ifo pessimistisch, weil sie Nachfrageeinbrüche beim privaten Verbrauch und bei der Auslandsnachfrage erwarten, weil sie vorhersehen, daß Industrie und Handel ihre Läger abbauen, und weil die derzeitige Geld- und Finanzpolitik von Bundesbank und Bundesregierung ihrer Meinung nach restriktiv wirkt.