Die Bonner Lokalpresse hat sich mit der Bundesgartenschau versöhnt. Fast täglich notieren die Blätter große und kleine Ereignisse der Bonner Blumenschau am Rhein in bunten Farben und schwarzen Lettern. Ein „Blumenfest mit Rekordbilanz“ meldet die Bonner Rundschau. Der General-Anzeiger verkündete in diesen Tagen seinen Lesern über drei Spalten hinweg „zur Halbzeit eine rosige Zwischenbilanz“.

Solche Schlagzeilen lassen vergessen, was die bundesdeutschen Blätter von Norden bis zum Süden noch vor Monaten bespöttelten – die Pannen und Pleiten der Bonner Blütenschau. Fehlplanung und Mißmanagement hatten die Kosten in die Höhe klettern lassen. Statt der ursprünglich geplanten 23 Millionen Mark mußte der Gartenschauetat mehr als verdoppelt werden. Dazu die Kosten für das Parkgelände: 130 Millionen Mark. Sie haben Bund und Land übernommen.

Wenn nunmehr in Bonn nur noch Blumen sprechen, so dürfte das nicht zuletzt dem Schirmherrn der Bonner Gartenschau, dem Ex-Bundespräsidenten Walter Scheel, zuzuschreiben sein. Er hat den kritischen und mäkelnden Medien anläßlich seiner Eröffnungsansprache deutlich ins Gewissen geredet. Er fand es höchst eigenartig, daß die Zeitungen Kostenüberschreitungen bei Straßenbauprojekten nahezu ohne jede Diskussion hinnehmen, wenn es jedoch um die Erhaltung von Natur oder um Kosten für lebendige Kultur gehe, „dann will des Streitens kein Ende nehmen“. Kraft Amtes und als Person ermittelte der Präsident, „die Anlage eines großen Parks für eine Großstadtbevölkerung ist kein überflüssiger Luxus“.

Der Bürger darf dennoch zweifeln. Zum einen ist die Gartenschau angesichts der reichlich mit Wald, Wiesen und Auen gesegneten Hauptstadt trotz allem eher ein überflüssiger Luxus. Zum anderen sieht derzeit alles danach aus, als werde der Park nach Abschluß der Gartenschau eher dem Wohl des Bonner Haushalts und weniger dem Bürger dienen. Hinter verschlossenen Türen wird ernsthaft erwogen, den Rheinauenpark auch fürderhin nur gegen Entgelt betreten zu lassen. Gleichwohl soll nicht verschwiegen werden: Die Bonner Blumenolympiade und das regelmäßig erscheinende Jubelorgan, die Presseinformationen der Gartenschau, haben Rekordzahlen zu melden:

Bis zur Halbzeit ist viel passiert: 4 206 000 Besucher, 130 000 Dauerkarten, 1 078 689 Einzelkarten, 227 850 Personenwagen, 20 880 Busse, 136 Sonderzüge der Bundesbahn, 588 nationale und 48 internationale Veranstaltungen unter Beteiligung von 17 Ländern, 44 prominente ausländische Besuche. 100 Bundesgartenschaufahnen mit dem Emblem der „Bonner Blumenkinder“ wurden geklaut.

Ihren Besucherrekord – 4,2 Millionen – haben die Gartenoberen freilich nicht sich, sondern dem Wettergott zu verdanken. Der hat nämlich mit sommerlichem Sonnenwetter in diesem Jahr besonders gegeizt. Davon profitierte die Gartenschau. Wen es sonst eher ins Schwimmbad zog, kleidete sich warm an und bevölkerte die Gartenschau.

Der Besucherrekord, der noch über dem der bisher besucherstärksten Gartenschau in Mannheim liegt, läßt die Bonner freilich hoffen, daß ihre Gartenschauschulden nicht ganz so hoch wie befürchtet ausfallen werden. 14,2 Millionen Mark hat die Gartenschau schon kassiert. Wenn das gesteckte Ziel – sieben Millionen Besucher – erreicht wird, könnte Bonn rund 30 Millionen Mark buchen – aus Eintrittsgeldern, Pachten, Lizenzen und einem Landeszuschuß von drei Millionen.